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Grundlagen & Wissenswertes

In diesem Kapitel finden Sie ein paar Tipps über Substratbeschaffung, Zucht von Rosenkäfern (Cetonidae) und deren Larven. Der erfahrene Züchter findet hier vermutlich nicht viel Neues, die folgende Beschreibung soll Anfängern oder Einsteigern in dieses Hobby eine Portion Basiswissen vermitteln.

Käfer züchten bedeutet im Grunde die Aufzucht ihrer Larven. Während die Haltung von Käfern im Terrarium relativ einfach und bei fast allen Arten identisch ist, unterscheidet sich die Haltung ihrer Larven oft erheblich. Wer sich für dieses Hobby entscheidet, braucht in erster Linie Geduld. Die Anschaffungskosten der benötigten Utensilien sind für jeden erschwinglich, grundsätzlich kostet dieses Hobby – wie jedes andere Hobby auch – Zeit und Geld. Als Käferzüchter nutzt man so manchen Wochenendspaziergang nur dazu, um im Wald Kletteräste fürs Terrarium, Holz oder Humus zu sammeln.

Bevorzugt werden tropische Käfer gezüchtet, denn sie sind größer, farbenprächtiger und skurriler als unsere einheimischen Arten. Die größten und schönsten Rosenkäfer kommen aus Afrika. Asien ist mehr das Revier der Hirschkäfer (Lucanidae), während Südamerika hauptsächlich von den Riesenkäfern (Dynastidae) beherrscht wird.



1. Substratherstellung

Das Substrat hat zwei Funktionen: Es ist Lebensraum und gleichzeitig Nahrung der Larven. Es besteht aus mehreren Komponenten. In der Zucht kann man die natürlichen Lebensbedingungen der Larven nicht bieten, man schafft daher einen Ersatz. Dieser nachgestellte Lebensraum – also das Substrat in der Plastikbox – sollte daher möglichst sorgfältig zusammengestellt werden. Dennoch wird man feststellen, dass man in der Zucht bei vielen Arten nie die Größe von Wildfängen erreicht, insbesondere bei Mecynorrhina und Goliathus. Auf der anderen Seite erhält man z.B. bei Eudicella Arten oft größere Käfer als ihre wild gefangenen Eltern. Alle Bestandteile zur Herstellung des Substrats findet man im Laubwald, man kann dort alle benötigten Komponenten sammeln. Meine „Bewaffnung“ bei Streifzügen durch den Wald besteht aus einem Rucksack, ein paar Plastiktüten, einem großen Messer zum Abschälen der Äste und einer kleinen Säge zum Zerkleinern größerer Holzstücke oder dekorativer Wurzeln fürs Terrarium.

a) Die wichtigste Komponente ist weißfaules Holz von Laubbäumen. Geeignet ist vermodertes Holz von Eiche, Buche, Ahorn oder Linde, die meisten Larven scheinen jedoch Eiche und Buche zu bevorzugen. Am besten ist ein Mix aus verschiedenen Holzsorten, dann können die Larven ihre “Lieblingssorte“ selber suchen. Weißfaules Holz wurde von Baumpilzen zum Zerfall gebracht. Wenn das Holz schon braun oder schwarz ist, dann ist es als Larvenfutter nicht mehr brauchbar, ist es weiß oder cremefarben, dann ist es ideal geeignet. Fürs Substrat geeignetes Holz findet man in umgestürzten Bäumen, die vom Baumpilz befallen sind. Wenn man Rinde und Moos entfernt hat, kann man sich zu den weichen Holzschichten vorarbeiten. Dieses weiche Holz kann in großen Stücken raus gebrochen und nach Bedarf in kleine Stücke zerbröselt werden. Meist jedoch muss man sich mit Ästen zufrieden geben, die auf dem Waldboden liegen, denn ganze Baumstämme zu finden, die dem gewünschten Zersetzungsgrad entsprechen, ist nicht so einfach. Die Äste, die man sammeln will, sollten Kontakt mit dem Waldboden haben und etwas feucht sein, dann sind sie meist im gewünschten Zerfallstadium. Wenn man die schmuddelige Rinde dieser Äste abschält wird man sich wundern, dass sauberes weißes Holz darunter verborgen ist. Trockene oder noch am Baum hängende Äste sind unbrauchbar, denn sie sind noch sehr hart bzw. kaum zersetzt und können nur schwer zerkleinert werden. Frisch gesammeltes oder frisch zerkleinertes Holz muss an der Luft trocknen, wenn man es zu früh in geschlossene Behälter bringt, dann schimmelt es und wird unbrauchbar. Zur Zerkleinerung der geschälten Äste eignet sich am besten ein Häcksler oder für kleinere Mengen ein Mixer mit "Ice-Crush-Funktion". Allerdings muss ich
aus Erfahrung sagen, dass die zur Holzzerkleinerung benutzten Haushaltsmixer meist eine sehr kurze Lebensdauer haben.

b) Praktisch genauso wichtig ist der Humus vom Waldboden. Das ist die etwas schmierige Schicht aus stark zersetzten Blättern unter dem frischen Falllaub. Diesen Humus zusammen mit etwas Walderde vom Boden kratzen und einsammeln. Den feuchten Humus keinesfalls in einer Plastiktüte lassen, dort bildet sich sehr schnell Grünschimmel und die Masse wird unbrauchbar! Vorsicht: es können sich Spinnen, Asseln oder Hundertfüßer im gesammelten Waldboden befinden. Diese müssen eliminiert werden, z.B. durch Einfrieren in der Gefriertruhe. Man stellt einfach die gesamte Tüte mit dem frisch gesammelten Humus für 24 Stunden in die Gefriertruhe – danach rührt sich nichts mehr im Substrat, aber die wichtigen Bakterien und Pilze sind nicht vollständig zerstört. Der Einsatz eines Mikrowellenherdes ist auch möglich, aber nicht ideal, denn es wird komplett alles abgetötet. Nach dem Sterilisieren leert man den Humus zum Trocknen in eine große Plastikbox, in die eine Lage Zeitungspapier gelegt wurde, so dass der Humus nicht in direktem Kontakt mit dem Plastikboden ist und die unterste Schicht nicht schimmelt. Danach kann der Humus per Hand oder mit dem Mixer zerkleinert werden. Die Bestandteile sollten aber nicht zu fein gemahlen werden. Man kann zusätzlich noch einen Anteil ungedüngter Blumenerde hinzufügen, um die Masse zu vergrößern. Besser ist selbst gesammelte Erde aus dem Wald. Zum Beispiel findet man meist saubere, humushaltige Erde am Wurzelstock frisch umgestürzter Bäume.

c) Bei Bedarf wird das zerkleinerte Holz mit dem Laubhumus vermischt, etwa im Verhältnis 60:40 bis 80:20. Vorsichtig Wasser dazugeben (z.B. mit einem Blumensprüher), bis sich das Gemisch minimal feucht anfühlt. Sorgfältige Zubereitung des Substrats ist entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Aufzucht der Larven.



2. Die Larven

Der Schwierigkeitsgrad in der Zucht der Larven kann in drei Kategorien eingeteilt werden: einfach – anspruchsvoll – sehr schwierig. In die Kategorie "einfach" fallen z.B. Pachnoda, Dicronorrhina und die meisten Eudicella Arten. Zur Kategorie "sehr schwierig" gehören z.B. Goliathus, Fornasinius oder Argyrophegges: über die Lebensgewohnheiten und Anforderungen dieser Arten ist wenig bekannt und die Standardhaltung wie bei den einfachen Arten reichen für eine erfolgreiche Zucht kaum aus.

Das Standard-Substrat genügt auch den „anspruchsvollen“ Larven nicht immer, sie brauchen bestimmte Beigaben: von zerkleinertem Schaf-, Kuh- oder Pferdemist über Fruchtstücke bis Salatblätter, Sand und Lehmerde. Bei manchen asiatischen Arten muss man kleine Fruchtstücke ins Substrat eingraben, auch die Larven von Pachnoda nagen gerne an kleinen Bananenstücken. Für räuberische Arten kann man kleine Larven von Arten mit hoher Nachzuchtrate (z.B. Pachnoda oder Smaragdesthes) füttern, sofern vorhanden. Oder man sammelt im Wald kleine Larven von Bockkäfern, die man unter der Rinde von gefällten Bäumen finden kann. Nicht immer kann man auf diese Form der Beigabe von „Lebendprotein“ zurückgreifen. Als Ersatz dient dann Hunde-, Katzen- oder Fischtrockenfutter. Durch Ausprobieren findet man bald heraus, welche Art sich für welche Beigabe interessiert: was nicht schmeckt wird auch nicht gefressen. Wichtig: mit der Zugabe von Extras nicht übertreiben, sonst züchtet man in erster Linie Milben. Oder das Substrat wird sauer, schimmelt und vergammelt.

Die gemeinsame Larvenhaltung wird bei Züchtern unterschiedlich eingeschätzt. Manche halten räuberische Arten wie Megalorrhina oder Chelorrhina gemeinsam in einer Box und nehmen das Risiko von Ausfällen in Kauf. Grundsätzlich ist die gemeinsame Larvenhaltung mit wesentlich weniger Arbeit verbunden. Man muss nur ausreichend große Behälter benutzen und darf sie nicht mit Larven übervölkern, sonst löst das auch bei „friedlichen“ Arten ein aggressives Verhalten aus und die schwächeren, gestressten Larven werden von den anderen gefressen. Meine Erfahrung mit räuberischen Arten: als große L2 und junge L3 jagen sie aktiv andere Larven, als größere L3 jedoch sind wieder relativ friedlich und können dann zusammen gehalten werden. Die Phase des Kokonbaus ist bei der gemeinsamen Haltung auch ein Risikofaktor, denn einerseits sollte man das Substrat nun etwas austrocknen lassen, andererseits werden die Larven beim Kokonbau durch umher kriechende „Kollegen“ gestört. Wenn eine Larve einmal aus ihrem Kokon vertrieben wurde, dann schafft sie es selten, einen zweiten Kokon anzulegen. Meist stirbt sie geschwächt ab oder wird von anderen Larven gefressen.

Frisch geschlüpfte, junge Larven (L1) sollten in relativ feuchtem und fein gemahlenem Substrat gehalten werden, denn sie sind sehr anfällig gegen Austrocknung. Nach dem Schlüpfen und direkt nach einer Häutung ist die Kopfkapsel einer Larve weißlich-transparent und weich: in diesem Zustand ist sie wehrlos und kann leicht von anderen Larven gefressen werden. Wenige Tage später erhärtet die Kopfkapsel und bekommt ihre typisch braune Farbe. Der Körper der Larve ist bis zu einem gewissen Grad dehnbar und kann wachsen, die Kopfkapsel aber nicht. Hat die Larve eine bestimmte Größe erreicht, dann kann sie nur noch durch Häutung ihr Wachstum fortsetzen. Die Kopfkapsel der Larve besitzt eine Naht, die als „Sollbruchstelle“ dient und bei der Häutung in drei Teile bricht, damit die Larve ihre Puppenhaut komplett verlassen kann.

Mit etwas Erfahrung kann man das Larvenstadium an der Größe der Kopfkapsel bestimmen. Die Larven durchleben drei Stadien, die als L1, L2 und L3 bezeichnet werden. Das Wechseln vom einen zum nächsten Stadium erfolgt durch Häutung. Eine L1 Larve hat noch keine Häutung hinter sich, eine L2 Larve hat sich einmal gehäutet, eine L3 Larve hat zwei Häutungen hinter sich. Die dritte und letzte Häutung erfolgt zur Puppe (innerhalb des Kokons). Wenn die Haut zu eng wird und sie kann nicht mehr gedehnt werden, dann wird eine neue Hautschicht gebildet und die Larve löst die alte ab. Die zu eng gewordene Larvenhaut wird nach der Häutung aufgefressen – die Nährstoffe der alten Haut werden dem Körper wieder zurückgegeben.

Larven besitzen kein oder ein nur sehr schwach ausgeprägtes Sehvermögen, sie leben unterirdisch und Ocellen sind bei dieser Lebensweise überflüssig; dafür haben sie ausgezeichnete Tast- und Riechorgane. Larven sind empfindlich gegen Sonnenlicht und starke Erwärmung, sie besitzen keine vor Sonnenstrahlung schützenden Pigmente. Hat man eine Larve aus dem Substrat ausgegraben, dann sollte man sie nicht länger als ein paar Minuten in der Hand halten, denn sonst erhöht sich die Temperatur ihres "kaltes Bluts". Wenn sich die Körpertemperatur einer Larve erhöht und sie Stress ausgesetzt wird, dann beginnt sie mit der Ausscheidung von großen Mengen sehr nasser Exkremente, und das ruft erheblichen Gewichts- und Wasserverlust hervor.



3. Behälter für Larven

Manche Züchter halten Käfer und Larven zusammen in einem Terrarium. Diese Haltung ist nicht optimal, denn es ist relativ arbeitsintensiv, neues Substrat nachzufüllen. Von manchen Arten wird gesagt, dass die Käfer ihre Larven und Eier im Substrat fressen würden (z.B. Amaurodes). Bewährt hat sich die Larvenaufzucht in Plastikboxen, die zu 3/4 mit Substrat gefüllt werden. Plastikboxen sind in allen Formen und Größen in Baumärkten erhältlich und können gut im Regal oder Schrank gestapelt werden. Um flexibel zu bleiben, sollte man sich gleich ein Sortiment verschiedener Größen zulegen, z.B. 2-, 5-, 10- und 20-Liter-Boxen. Plastikboxen mit weniger als 1 Liter Fassungsvermögen sind zur Larvenhaltung schlecht geeignet, denn das Substrat trocknet in diesen kleinen Behältern zu schnell aus. Gut geeignete Behälter sind die 1,5- oder 2-Liter Plastikboxen von Speiseeis – mit leckerem Doppelnutzen. Bei der Wahl der Behälter sollte man beachten, dass es nicht darauf ankommt, Boxen mit möglichst großer Grundfläche zu verwenden, vielmehr ist die Höhe (10 cm und höher) entscheidend. Boxen und Deckel müssen zur Luftzirkulation mit mehreren Löchern versehen werden, das schafft man am besten mit einer Lochzange. Es sollte mindestens je ein Loch am oberen Rand auf jeder Seite der Box sowie zwei Löcher im Deckel sein. Stellt man fest, dass man zu viele Löcher gebohrt hat, dann können sie problemlos wieder mit Klebeband verschlossen werden. Hält man mehrere Larven zusammen in einer Box, dann gilt die Faustregel: etwa 1 Liter "Platz" pro Larve. Große Larven wie z.B. Mecynorhina brauchen mehr Platz bzw. Substrat. Ein Zuchtbehälter sollte etwa 2x Länge, 2x Breite und 2x Höhe der Länge einer Larve haben. Substrattiefe mindestens 1,5-fache Länge einer Larve.

Kleine L1 Larven sollte man anfangs nicht in einer zu großen Box mit vielen Litern Substrat halten, denn sie sind schwer wieder zu finden. Wenn man beispielsweise das Substrat etwas anfeuchten will, dann ist es ratsam, die kleinen Larven vorher zu raus zu sammeln und erst dann das Substrat kräftig durchzumischen.



4. Kokons

Harte Puppenzellen bzw. Kokons werden gebaut, um während der Phase der Verpuppung (Metamorphose) gegen Einwirkungen von außen geschützt zu sein, z.B. gegen Würmer, Asseln, Austrocknung und vieles mehr. Die Kokons mit ihrer harten Hülle bieten einen guten Schutz für die Zeit, in der die Larve völlig wehrlos ist. Wogegen Kokons allerdings nicht schützen können ist Feuchtigkeit. Zu hohe Feuchtigkeit macht die ehemals harte Kokonhülle weich und durchlässig, also praktisch nutzlos. Milben, die sich immer im Substrat befinden, können nun die feuchte Puppe befallen und zerstören. Genauso wenig aber werden Puppen totale Trockenheit überleben. Kokons müssen zwar relativ trocken gelagert werden, aber eine minimale Restfeuchtigkeit sollte im umgebenden Substrat noch vorhanden sein. Wenn man ein Loch in den Kokon gemacht hat und die Larve ist noch aktiv (also noch nicht in der Vor-Puppen-Phase), dann verlässt sie meist den Kokon und geht ziemlich sicher ein.

Die ausgewachsene L3 Larve baut einen eiförmigen Kokon aus dem Bodenmaterial, in dem sie lebt. Vor dem Bau eines Kokons werden alle Nahrungsreste von der Larve ausgeschieden. Durch Drehen und Wälzen in frischem, dünnflüssigem Kot formt sie einen Hohlraum im Substrat. Die Innenseite des Hohlraums wird durch die Bewegungen der Larve sehr glatt, das umgebende Substrat trocknet ab, wird hart und der Kokon ist fertig. Im Kokon beginnt nun die Umwandlung zum Käfer. Zuerst bildet sich eine neue Hautschicht unter der alten Larvenhaut. Die Larve beginnt zu schrumpfen und verliert Gewicht, sie ist im „Vorpuppen-Stadium.“ Nach etwa 10 Tagen bricht die alte Haut am Rücken auf und die finale Puppe liegt zusammen mit der alten Larvenhaut im Kokon. Falls man (frühestens nach 6 Wochen!) mal nachsehen will, ob sich schon ein Käfer im Kokon entwickelt hat, dann sollte man nur ein kleines Loch mit dem Fingernagel kratzen. Idealerweise an der etwas spitzeren Seite des Kokons, denn dort ist meist der Kopf des Käfers. Generell sollte man die Geduld aufbringen und 8 bis 12 Wochen warten, bis der Käfer von alleine schlüpft. Ich kann die Ungeduld verstehen, mir geht es manchmal auch nicht anders. Zumindest bei Goliathus, Amaurodes oder Cheirolasia, die bis zu 6 Monate im Kokon bleiben, ist die Versuchung groß, mal einen Blick in einen Kokon zu riskieren. Es kann auch vorkommen, dass eine Puppe im Kokon schon längst gestorben ist und man hat vergeblich gewartet.

Wenn die Gestalt eines Käfers durch ein kleines Loch im Kokon zu sehen ist bedeutet das noch lange nicht, dass er fertig entwickelt ist. Wenn man den Käfer trotzdem aus dem Kokon holt, also manuelle "Geburtshilfe" leistet, so wird er sich sofort wieder im Bodensubstrat des Terrariums eingraben und so lange unterirdisch verborgen bleiben, bis alle inneren Organe entwickelt sind. Meist leben die Käfer, die aus ihren Kokons geholt wurden nicht so lange wie Käfer, die von alleine geschlüpft sind.

Mehr dazu im Kapitel Larve & Puppe



5. Behälter für Käfer

Käfer werden am besten nach Arten getrennt in Glasterrarien gehalten. Terrarien mit Klappdeckel in den Maßen 40 x 30 x 40 cm haben sich bewährt, das Ausmaß eines Terrariums ist abhängig von der Größe der Käfer. Das Bodensubstrat sollte mindestens 8-15 cm tief sein, bei zu geringer Tiefe legen die meisten Käfer wenig oder gar keine Eier. Als Bodensubstrat für Terrarien kann man auch "verbrauchtes" Larvensubstrat noch mal verwenden, es kann mit einer Handvoll frischem Substrat aufgebessert werden. Kletteräste und Holzstücke sind unbedingt nötig, damit sich Käfer, wenn sie mal auf den Rücken gefallen sind, wieder aufrichten können. Ohne die Hilfe von Ästen oder Holzstücken würde ein Käfer bis zur Erschöpfung die Beine in die Luft strecken und verenden. Viele Käfer leben in der Natur auf Büschen und Bäumen und sie verstecken sich bei Gefahr unter Rindenstücken oder ähnlichem. Eine solche Umgebung sollte in Terrarien wenigstens in Miniaturausgabe vorhanden sein.

Als Grünpflanzen eignen sich nur robuste Pflanzen, die auch relative Trockenheit aushalten. Es scheint ein Sport der Käfer zu sein, die eingesetzten Pflanzen wieder auszugraben. Daher sind filigrane Farne oder ähnliches ungeeignet. Eine gewisse Luft- und Substrat-Feuchtigkeit sollte im Terrarium gegeben sein. Rosenkäfer brauchen zwar viel weniger Feuchtigkeit wie etwa Riesen- und Hirschkäfer, aber völlige Trockenheit verkürzt ihr Leben drastisch. Wenn z.B. bei Riesenkäfern (Dynastinae) keine Feuchtigkeit vorhanden ist, kann der Käfer in ein paar Stunden austrocknen und ist nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen. Ist die Feuchtigkeit im Terrarium zu niedrig, verweigern die Weibchen vieler Arten die Eiablage. Ist es jedoch zu nass, verfaulen die Eier.

Terrarienbeleuchtung imitiert das Sonnenlicht, bei dunkler Umgebung finden Rosenkäfer nicht zu ihrer üblichen Aktivität. Wenn man die Beleuchtung mit einer Zeitschaltuhr koppelt, so kann man den Käfern einen Tagesrhythmus vorgeben, an den sie sich gewöhnen, z.B. von 16 bis 22 Uhr. Die Terrarien dürfen keinesfalls in direktem Sonnenlicht stehen! Sie heizen sich auf und die Käfer vertrocknen.

Rosenkäfer werden ganz einfach mit reifen Früchten gefüttert, am liebsten mögen sie Banane oder Mango. Die Früchte werden aufgeschnitten bzw. halbiert, denn Rosenkäfer haben zu kleine Kieferzangen, um sich durch dicke Schalen zu nagen. Sie würden vor einer ungeschälten Mangofrucht verhungern. Die Käfer sind völlig harmlos, ihre gefährlichste Waffe sind ihre Klauen oder Krallen, die bei jungen, frisch geschlüpften Käfern nadelspitz sind. Eine Alternative zu Früchten ist das "Käfer Jelly", das von asiatischen Händlern verkauft wird. Es ist in erster Linie für Hirschkäfer gedacht, aber auch Rosenkäfer sind nicht davon abgeneigt. Die meisten Rosenkäfer-Arten bevorzugen aber halbierte Bananen.



6. Sorgfalt und Ordnung

Auch durch Sterilisieren des Substrats in der Gefriertruhe lässt es sich nicht vermeiden, dass sich im Laufe der Zeit eine Mikrofauna bildet, die selten willkommen ist. Milben, Flöhe, Asseln und kleine Fliegen werden unser ständiger Begleiter sein. Dies lässt sich auf ein erträgliches Maß durch regelmäßige Säuberung des Substrats begrenzen. Wenn sich beispielsweise zuviel Kot ansammelt, kann man entweder das Substrat komplett erneuern oder mit einem Löffel vorsichtig die untere Schicht entfernen und neues Substrat nachfüllen. Diese Methode ist zwar etwas mühsamer, der Verbrauch an Substrat ist jedoch deutlich geringer und das neu hinzugefügte Substrat wird mit den sich im alten Substrat und auf dem Larvenkot befindlichen Bakterien und Pilzen "geimpft".

Jedem Züchter bekannt sind die sehr kleinen, weißlichen Milben, die nicht größer als ein Sandkorn sind. Sie sitzen fest auf der Larve und können nicht entfernt werden. Meist setzen sie um die Atemöffnungen der Larven fest und vermehren sich extrem. Wenn sich jedoch Hundefutter oder andere Nährstoffe in ihrer Umgebung befinden, dann verlassen sie die Larve und stürzen sich auf das Hundefutter. Manchmal bedecken sie eine Hundefutter-Pille völlig. Wenn man diesen Zeitpunkt erwischt und das Substrat an dieser Stelle großzügig entfernt, so kann man eine große Menge von ihnen vernichten. Wenn man den Zeitpunkt verpasst, dann hat man die Vermehrung der nächsten Milbengeneration kräftig unterstützt. Unter den Milben gibt es auch Arten, die den Larven schaden können. Einige davon sind braun oder dunkelrot. Wenn man sie mit einer Pinzette von der Larve entfernt hat kann man an den Stellen, wo sie festgesessen sind einen schwarzen Fleck erkennen, ein Schorf oder eine Verkrustung bleibt auf der Larve zurück. Die Milben, die sich im Substrat aufhalten, kann man mit Hilfe der Gefriertruhe oder Mikrowelle loswerden. Das Substrat darf aber nicht zu lange in der Mikrowelle bleiben! Mikrowelle in Intervallen schalten und das Substrat zwischendurch umrühren. Wenn das Substrat sehr heiß (80 Grad) geworden ist, sollte man den Vorgang beenden.

Trauermücken, deren Larven im Substrat unabsichtlich mitgezüchtet werden, sind recht effektiv mit Gelbtafeln zu bekämpfen. Nach ein paar Tagen kleben oft so viele Mücken auf den Gelbtafeln, dass die Tafeln nicht mehr gelb, sondern schwarz sind. Die beinahe so lästigen Fruchtfliegen lassen sich von Gelbtafeln wenig beeindrucken. Ein Versuch, die Fruchtfliegenplage durch die Ansiedlung von kleinen Netzspinnen im Terrarium in den Griff zu bekommen, ist fehlgeschlagen: die Spinnen haben das Terrarium "entnervt" verlassen und sind an die Zimmerdecke umgezogen, weil die Käfer ständig ihr Netz zerstört haben.

Zu einer ordentlichen Zucht gehört auch die präzise Etikettierung der Zucht-Boxen. Es sollten sich wenigstens Angaben über Gattung, Art, Unterart und Herkunft bzw. Fangdaten auf dem Etikett befinden. Ohne Etikettierung verlieren die gezüchteten Käfer jeglichen wissenschaftlichen Wert und sind auf den Status eines Haustiers reduziert. Es ist für jeden Züchter interessant, wenn auf dem "Begleitzettel" das Datum der Säuberung und Fütterung, das Larvenstadium und z.B. die Zugaben von Extras festgehalten werden. Nur so lernt man die Eigenheiten der verschieden Gattungen kennen und kann Daten und Fakten für die Zucht gewinnen.



7. Beginn einer Zucht

Wer Käfer halten und züchten will, der sollte sich in erster Linie mit der Aufzucht der Larven vertraut machen, denn die Lebensdauer der Käfer beträgt durchschnittlich etwa zwei bis vier Monate, während die Larven oft mehr als ein Jahr benötigen, bis sie sich zum Käfer verwandeln (Metamorphose). Ob man eine Zucht mit Käfern oder Larven beginnt, bleibt sich gleich. Larven sind im Einkauf wesentlich billiger als adulte Zuchtpaare.

Im Prinzip reicht ein Paar Käfer zum Beginn einer Zucht. Die Vermehrung ausgehend von nur einem Pärchen gelingt zwar meist (aber nicht immer!), aber nach etwa vier Generationen werden die Käfer kleiner und die Vermehrungsrate sinkt stark. Außerdem treten durch Inzucht hervorgerufene Degenerationserscheinungen wie verkrüppelte Beine oder deformierte Flügeldecken auf. Deshalb sollte man für den Aufbau eines Zuchtstamms mindestens mit 10-20 Larven oder 2-3 Paar Käfer beginnen. Wenn der eigene Zuchtstamm über ein paar Generationen "gelaufen" ist, dann sollten von einem anderen Züchter zusätzliche Käfer oder Larven in passender Größe (und natürlich derselben Art und Unterart!) eingekauft werden, um den eigenen Stamm genetisch aufzufrischen. So kann man über viele Jahre der Zucht eine Art stabil halten. Ideal ist der Import von Wildfängen, aber das ist ein Kapitel für sich. Es ist wesentlich billiger, sich von einem einheimischen Züchter eine große Menge an Tieren zum "Einkreuzen" zu besorgen.



8. Die Theorie

Die Käferzucht ist der praktische Teil des Hobbys, den theoretischen Teil stellt die Systematik und Nomenklatur dar. Viele schrecken davor zurück, sich damit zu beschäftigen, aber es gehört einfach dazu. Bei etwa 350.000 bekannten Arten ist eine systematische Einteilung sinnvoll, viele Käfer können aufgrund von ähnlichen Eigenschaften des Körperbaus (Morphologie), wegen ihres Vorkommens, ihrer Ernährung oder ihrer Larvenentwicklung in Gruppen zusammengefasst werden.

Weitere Informationen zum theoretischen Teil finden Sie auf im Kapitel Käferlatein

Die Rosenkäfer repräsentieren nur einen Bereich in der Ordnung der Käfer (Coleoptera). Käfer sind die artenreichste Ordnung in der Klasse der Insekten, die in etwa 35 Ordnungen eingeteilt wird (Schmetterlinge, Libellen, Wanzen, Hautflügler, etc.).

Käfer werden in vier Unterordnungen geteilt, wobei die Adephaga ("Viel- oder Fleischfresser" = Laufkäfer) und Polyphaga ("Allesfresser") die beiden wichtigsten darstellen. Rosenkäfer sind den Polyphaga zugeordnet, zu denen etwa die Hälfte aller Käfer gehören.

Die nächste Stufe der Klassifizierung ist die Einteilung in Serien, wo nach bestimmten Merkmalen zusammengefasst wird, z.B. Scarabaeiformia oder Lamellicornia.  Darunter gliedert sich die Überfamilie Scarabaeoidea (Mist,- Rosen-, Riesen-, Hirsch- und Maikäfer). Überfamilien haben die Endung -oidea, die untergeordneten Familien enden auf -dae. Innerhalb der Familien folgt die weitere Aufteilung in Unterfamilien, die auf -nae enden. Eine weitere Spezifizierung innerhalb der Unterfamilien sind die Stämme (Tribi) die auf -ini enden, darunter die Unterstämme (Subtribi) mit der Endung -ina. Schließlich folgen die einzelnen Gattungen, Untergattungen, Arten, Unterarten und Formen. Am Beispiel des uns allen bekannten Pachnoda marginata peregrina würde seine Stellung im System so aussehen (vereinfacht):

Ordnung: Coleoptera
Unterordnung: Polyphaga
Überfamilie: Scarabaeoidea
Familie: Scarabaeidae
Unterfamilie: Cetoniinae (neuerdings ist diese Unterfamilie zur Familie "erhoben" worden, sie heißen nun Cetonidae )
Stamm: Cetoniini
Unterstamm: Cetoniina
Gattung: Pachnoda
Untergattung: ---
Art: marginata
Unterart: peregrina , wenn der Käfer aus Uganda stammt und marginata , wenn er aus Westafrika ist. Eine Unterart definiert sich meist durch die geographische Verbreitung einer Art.
Form/Variation: bei Pachnoda gibt es keine weitere Unterteilung in Formen wie z.B. forma brunnea oder forma cyanea, die innerhalb einer Art bestimmte Farbvarianten beschreibt.



Pachnoda ephippiata: in ihrer natürlichen Umgebung findet man die Käfer auf blühenden Akazien. Eine solche Idylle kann im Terrarium nicht geboten werden.


Im Terrarium: hier legen die Käfer ihre Eier im Substrat ab. Anschließend schlüpfen die Larven – sie werden aus dem Terrarium gesammelt und in Plastikboxen weiter gezüchtet.


Boxen für Larven müssen beschriftet werden, vor allem, wenn man mehrere Arten gleichzeitig züchtet. Sinnvoll ist auch ein Notizzettel auf dem Deckel, auf dem die jeweilige Aktion (Fütterung, Zugabe von Holz, usw.) mit Datumsangabe vermerkt wird. Ideal sind Boxen aus transparentem Material, es gibt sie in jeder Größe und Form in Baumärkten.


Kletteräste, Wurzeln sowie Rindenstücke sind ein "muss" im Käferterrarium. Wenn die Käfer auf den Rücken gefallen sind und dann keine Möglichkeit haben, sich wieder an Holzstücken wieder aufzurichten, so verenden sie qualvoll, sie "strampeln" sich zu Tode. Größere Holzstücke verhindern überdies das Austrocknen des Substrats.


Lieblingsbeschäftigung der Käfer: voll gefressen und bewegunslos am höchsten Punkt im Terrarium abhängen lassen. Und das möglichst in der Nähe der Beleuchtung, wo es am wärmsten ist.


Larven, die nicht kannibalisch veranlagt sind können gemeinsam in einem Behälter aufgezogen werden. Vorausgesetzt, man hält nicht zu viele Tiere auf engstem Raum.


Größenunterschied bei Eudicella woermanni (F1) , die als Larven aus Einzel- bzw. gemeinsamer Haltung stammen. Eine parallele Zuchtreihe hat gezeigt: alle Käfer, die von Larven aus der Einzelhaltung (links) stammten, wurden deutlich größer.


Beleuchtung von Terrarien: ähnlich wie bei Aquarien mit einer Leuchtstoffröhre, die auf oder im Terrarium angebracht ist. Pflanzen im Terrarium werden von den Käfern gerne als Klettermöglichkeit genutzt und leiden stark darunter. Große Käfer wie Chalcosoma oder Goliathus durchpflügen den Boden und hinterlassen ein Bild der Zerstörung.


Import aus Tansania: etwa 90% der Käfer kamen schon tot an, der Rest war so schwach, dass es keine Nachkommen mehr gab. Um Gewicht zu sparen und dadurch die Versandkosten so niedrig wie möglich zu halten und den Profit zu erhöhen wurden die Käfer lieblos in Plastikdosen gepresst, dass nur wenige die Reise lebend überstanden. Grund für solche Flops ist die Unkenntnis und mangelnde Sorgfalt der Händler aus Übersee: es wird "quer Beet" alles gefangen, eingepackt und verschickt, was gerade über den Weg gelaufen kam. Die bestellte Art ist nicht immer dabei.


Der Kot großer Larven wie hier von einer Goliathus L3 lässt sich mit einer Pinzette relativ einfach aus dem Substrat sammeln. Diese Menge Kot "produziert" eine Larve in etwa vier Wochen. Wartet man mit der Säuberung zu lange, dann wird das Substrat und der Kot staubfein genagt, die unterste Substratschicht in der Zuchtbox wird zu einer schmierigen Masse, ein idealer Zuchtboden für Milben, Fadenwürmer und andere unerwünschte Gesellen.

kokon-kasten
Kokons und deren Lagerung sind meines Erachtens die kritischste Phase in der Zucht. Gelingt die Aufzucht der Larven, so kann durch zu feuchte oder zu trockene Lagerung der Kokons der ganze Zuchterfolg dahin sein. Bewährt hat sich die Entnahme der Kokons aus der jeweiligen Larvenbox und die separate Lagerung, z.B. in einem Werkzeugkasten mit abtrennbaren Abteilen. Er wird z.B. mit Hamsterstreu gefüllt, die Kokons werden darin eingegraben und oben drauf als Abdeckung kommt ein Haushaltstuch, das immer wieder mal angfeuchtet wird. So kann man sicherstellen, dass die Kokons nicht mit Wasser in Berührung kommen, trocken lagern und dennoch eine minimale Umgebungsfeuchtigkeit erhalten wird.
(im Bild rechts: ein geschlüpftes Weibchen von Homoderus gladiator)

 

Die Rosenkäfer, mit deren Zucht wir uns beschäftigen stammen vorwiegend aus der Familie Cetonidae, Stamm Goliathini, Unterstamm Goliathina
(= Goliathkäfer im engeren Sinn)
oder vom Unterstamm Coryphocerina. Die Familie Cetonidae ist in mehrere Stämme und Unterstämme aufgeteilt:

Tribus Cremastocheilini
Tribus Xiphoscelidini
Tribus Stenotarsiini
- Subtribus Coptomiina
- Subtribus Chromoptiliina
- Subtribus Anochilina
- Subtribus Pantoliina
- Subtribus Heterosomatina
- Subtribus Stenotarsiina
- Subtribus Doryscelina
- Subtribus Heterophanina
- Subtribus Parachiliina
- Subtribus Euchroeina
Tribus Schizorhini
- Subtribus Schizorhinina
- Subtribus Lomapterina
Tribus Goliathini
- Subtribus Goliathina
- Subtribus Ichnestomina
- Subtribus Dicronocephalina
- Subtribus Coryphocerina
Tribus Cetoniini
- Subtribus Cetoniina
- Subtribus Leucocelina
Tribus Gymnetini
- Subtribus Gymnetina
- Subtribus Blaesiina
Tribus Diplognathini
Tribus Phaedimini
Tribus Taenioderini
- Subtribus Taenioderina
- Subtribus Chalcotheina