Hier krabbelts - Die Website über Käfer und Insekten

 

Mitten in der Pampa mit Blick auf den Mount Kenya haben wir "Urlaub auf dem Bauernhof" gemacht. Fernab von jeglichem Touristen-Bunker, etwa vier Autostunden (ca. 200km) östlich von Nairobi, wobei bei den schlechten Straßenverhältnissen eine Autostunde ein relative Entfernungsangabe ist. Strom und fließendes Wasser gab's nur morgens und abends, wenn der Dieselgenerator für ein paar Stunden angeworfen wurde. Das Gelände war nicht eingezäunt, nach dem dritten Versuch hat es der Besitzer aufgegeben – es war wohl ein Sport der Elefanten, den Zaun schneller einzureißen als er aufgebaut wurde. Es standen nur noch vereinzelt Pfosten in der Gegend. So sind wir also endgültig mitten in der Pampa angekommen...

Peter Allmendinger, der Hausherr, ist Deutscher und hat uns persönlich betreut. An dieser Stelle nochmals danke für alles, Peter! Er hatte es nicht immer leicht mit uns, denn anstatt die schönen Zebras zu bewundern wollten wir lieber in einem Haufen Nashorndung wühlen. Er musste oft genug "Wache schieben", denn die Plätze, wo wir Käfer vermuteten, haben auch den Wasserbüffeln, Warzenschweinen, Affen und Löwen gefallen. Nicht selten ist eine Giraffe oder eine Antilope direkt neben mir aus dem Gebüsch geprescht, was mir fast einen Herzinfarkt verursacht hat...


Acacia Homestay, unsere Bleibe für knapp 14 Tage.

Blick aus dem Schlafzimmer, im Hintergrund Mount Kenya.

Umgeben von endloser Steppe und dem Duft nach Freiheit.

Die Faszination, der Duft und der Friede, die diese Umgebung ausstrahlt, habe ich noch nirgendwo erlebt. Einen Dämpfer unseres Hochgefühls bereitete uns die erschreckende Armut der Bevölkerung und Korruptionsbereitschaft der Amtspersonen. Es war fast nirgends möglich, etwas zu fotografieren, ohne dass man sofort belagert und am Auto und Gepäck gefummelt wurde. Alle 10 Kilometer war eine Straßensperre, und wenn man zügig weiter kommen wollte, hat meist nur das Rascheln eines Geldscheins gewirkt. Nicht nur für Käfersucher bitter war die Tatsache, dass das ganze Land staubtrocken war, denn die Regenzeit, die vor unserem Besuch hätte stattfinden sollen, war ausgefallen. Die Trockenheit war für die Bevölkerung tragisch, das Vieh war kurz vor dem Verdursten, alles hat sich an den paar verbliebenen Wasserlöchern versammelt und die Leute haben um ein paar Liter Dreckbrühe gefeilscht. Die Frauen trugen auf dem Kopf schwere Wasserkanister, deren Gewicht bei uns Europäern vermutlich sofort einen Bandscheibenvorfall verursacht hätte...


Solio Reservat: das Gras war so trocken, dass es beim drüber gehen gestaubt hat.

Thomson Falls: einer der wenigen Wasserfälle, von denen noch reichlich Wasser fiel.

Lake Nakuru: das Ufer ähnelte einer Salzwüste, wo sich sonst Millionen Flamingos tummeln.

Das Abholzen war streng verboten – man musste sich beim Holzdiebstahl beeilen.

Solche Schilder waren überall zu finden, auch viele Kilometer vom Äquator entfernt.

Das Holz war ausgetrocknet und hart wie Stein. Wenig Chancen, um Larven zu finden.

Die Eindrücke waren so bewegend, dass die Bilanz nach drei Tagen in Höhe von Null Käferfunden sekundär war – allerdings muss ich zugeben, dass ich mir die Insektenwelt etwas vielfältiger vorgestellt habe. Schmetterlinge gab es jede Menge, auch ein paar Bienen, Spinnen und Millionen von Ameisen. Bei Besuchen in Naturparks wurden wir ständig von bewaffneten und respekeinflößenden Burschen der Kenya Police begleitet, zum "Schutz" des weißen Mannes. Sie lehnten gelangweilt an den Bäumen und haben uns zugeschaut. Als ich ihnen erklärte, dass wir Käfer suchen und keine Zebras, haben sie uns ungläubig angeschaut – es war offensichtlich, was sie in dem Moment von uns dachten. Als ich ihnen einen Ausdruck mit den Käfern zeigte, die ich zu finden hoffte und die Parole "One Dollar for one beetle" ausgab sind sie mit Freudensprüngen in alle Himmelsrichtungen davongetrabt – gefunden haben sie nichts. Die Angestellten der Farm habe ich mit der selben Parole geködert, am nächsten Tag kam Samuel, der Gärtner der Farm, mit einem Karton voller Mini-Mistkäfer, die er aus einem Nashorn-Dunghaufen ausgegraben hatte und wollte 200 Dollar von mir. Es war nicht einfach, den Deal rückgängig zu machen, ohne ihn zu beleidigen. 20 Dollar habe ich ihm trotzdem gegeben, ein kleines Vermögen für "Ungeziefer".

An den Wasserlöchern war die Natur saftig, grün und lebensgefährlich. Peter musste die Umgebung sichern, wärend wir nach Käfern suchten. Mein Sohn war ein fleißiger Helfer beim Durchgraben der Dunghäufen – und davon gab es jede Menge und sie waren reichlich belebt. Diese Raupen kamen in Massen vor, und wo sie waren war kein grünes Blatt mehr an den Büschen. Sie waren etwa 10 cm lang.
Dieser Drache saß tagelang im Gebüsch neben dem Eingang, wir haben ihn nicht bemerkt. Samuel der Gärtner hat uns mit der Nase drauf gestoßen. Der erste Käfer, wenn auch "nur" ein kleiner Prachtkäfer.
Wir haben ihn wieder fliegen lassen, aber der Fund hat meinen
Jagdinstinkt reaktiviert.
Ein paar Akazien hatten ihre Blüten geöffnet und wir haben sie abgesucht, die Wasserbüffel und Paviane haben uns zum Glück nur aus relativer Ferne angestarrt.




Na endlich! Ein Pachnoda ephippiata – bestens getarnt neben den verdorrten und von Ameisen bewohnten Akazien-Früchten. Die Ameisen nagen Löcher in die Früchte, und wenn der Wind bläst, wird dadurch ein pfeifendes Geräusch hörbar, das von den Einheimischen eine besondere Bezeichnung erhalten hat. Die Käfer waren sehr scheu, und obwohl sie sich tief in die Blüten gewühlt hatten sind sie bei der kleinsten unvorsichtigen Bewegung des Astes blitzartig weggeflogen. Viele saßen so hoch in den Büschen, dass man keine Chance hatte, sie zu erwischen, denn das Schmetterlingsnetz blieb hoffnungslos an den Stacheln der Akazien hängen.

Der Boden in Kenia ist ziegelrot, ein wunderschöner Kontrast zu der umgebenden Vegetation. Ich beschloss, eine kleine Plastikschüssel voll mitzunehmen: als Versuch, ob eine Beimischung der kenianischen Erde zum Substrat meiner (misslungenen) Zucht von Argyrophegges kolbei hilfreich ist. Und dann war auch schon der letzte Urlaubstag angebrochen, obwohl wir noch so vieles unternehmen wollten; der Tagesplan hieß "Koffer packen" und ab nach Nairobi. Die Plastikboxen mit den Käfern, der Erde und ein paar Knödeln von Nashörnern habe ich vorsorglich in dem Koffer verstaut, der mit Schmutzwäsche gefüllt war. Ich dachte mir, dass wenn wir beim Einchecken in Nairobi vom Zoll kontrolliert werden, sich niemand die Mühe machen würde, in einem Koffer voller alter Unterhosen zu wühlen. Nun ja, außer mir musste dann auch keiner drin wühlen...


Bei Trockenheit staubig, dass die Zähne knirschen, bei Regen hart wie Zement: die rote Erde wickelte sich um die Autoreifen und machte ein Weiterkommen unmöglich.

Eine Kawasaki Werkstatt mitten im Nirgendwo. Das Leben spielt sich am Straßenrand ab. Hinter dem Schuppen noch ein Ziegenstall, dann beginnt die endlose Pampa.

Ein typisches Bild an jedem Straßenrand: alles wird verkauft, die Männer lungern mit den Händen in den Hosentaschen rum, die Frauen arbeiten.

Morgens um vier Uhr, beim Einchecken des Gepäcks für den Heimflug wurde – ich wollte es nicht glauben! – genau der Koffer mit den Käfern und der Erde vom Band gefischt und ich wurde angehalten, den Koffer zu öffnen. Es blieb mir nichts anderes übrig, mit ungutem Gefühl machte ich den Deckel auf und habe mich innerlich von den gefangenen Pachnoda und Nashornkäfern verabschiedet. Missmutig wickelte ich die alten Unterhosen von den Plastikboxen. Aber den Zollbeamten interessierten nicht die Käfer, sondern die Box mit der Erde. Ich musste die Box öffnen und wurde in militärischem Ton gefragt, was das sei. Wahrheitsgemäß und in der Hoffnung, die Sache sei dann erledigt, anwortete ich ihm: "Eine Handvoll kenianische Erde – gibt's damit ein Problem?" Die Ausfuhr sei verboten, außer man habe ein Zertifikat dafür, war seine Antwort. Als ich ihn verärgert fragte, ob er einen Vogel hätte und aufbegehren wollte, sah ich erst, was für ein Schrank da vor mir stand: er war wohl über 2,50 m hoch und in den Schultern mindestens 2 m breit. Um einige Dezibel kleinlauter geworden und nun in ausgesucht freundlich-dümmlicher Art hoffte ich, dass – nach 5 Minuten fruchtlosem Palaver – der gute Mann durch die inzwischen beträchtlich angewachsene Warteschlange zur Eile angetrieben würde. Aber keineswegs! Er packte mich am Kragen und brachte mich in ein unbesetztes Büro nebenan. Dort verlangte er wieder ein "Zerifikat", aber nun verbunden mit der eindeutigen, wahrscheinlich weltweit gültigen Fingerbewegung. Jetzt war auch bei mir endlich der Groschen gefallen. Ich zückte einen 10-Dollarschein, den er in seine Uniformjacke zauberte. Das waren anscheinend noch nicht genügend "Zertifikate". Nach einem weiteren Zehner sah er mir wohl an, dass es genug war. Wir kamen aus dem Büro zurück, er legte seinen Arm um mich und er sagte für alle hörbar: "All ok, my best friend, you have my permission to export and I wish you a nice travel!"

mount kenya

Am Mount Kenya in ca. 2.500 m Höhe
ist der letzte Mini-Regenwald Kenias,
ein geschütztes Gebiet. Für Rosenkäfer zu hoch, wir fanden nur ein paar kleine Bockkäfer und jede Menge bissige Ameisen (in den Hosenbeinen).

regen

Der einzige kurze Platzregen war ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Wasser verdunstete schneller als es
im Boden versickern konnte. Der
Boden war zu trocken und zu hart, um Wasser aufnehmen zu können.

cola factory

Diese Marke ist weltweit zu finden,
selbst in der tiefsten Pamapa. Man
sagt, viele mixen das Getränk nach eigenem Rezept und füllen es in eingesammelte gebrauchte Flaschen.
Na denn Prost!

Die Armut der Bevölkerung ist bedrückend und man fühlt sich hilflos, man kann der Korruptionsbereitschaft sogar etwas Verständnis entgegenbringen – nur haben gerade die ärmsten dort gar keine Möglichkeit, irgendwo abzukassieren. Nur die, die sowieso schon einen Job (als Staatsdiener) haben, bereichern sich noch nebenbei, auch von ihren bettelarmen Landsleuten. Wegen ihrer Armut müssen die einfachen Leute jede Möglichkeit nutzen, zu Geld zu kommen: am Straßenrand beobachteten wir ganze Familienclans, vom Großvater bis zum kleinen Enkel, am Boden sitzend, mit kleinen Hämmern Steine klopfen. Die zerkleinerten Steine werden für den Straßenbau verwendet.

Aus den benachbarten Aberdare Mountains, wo normalerweise Bäche voller Wasser strömen und der Region als Wasserquelle dienen, kamen nur noch Rinnsale. Das hat mich etwas verwundert, denn als wir in den Aberdares waren, haben wir riesige Wasserfälle gesehen (dort wurden Sequenzen des Films "Jenseits von Afrika" gedreht). Peter zeigte uns dann die Blumenfarmen, die sich am Fuße der Berge angesiedelt haben und die eine beträchtliche Menge des Wassers abzapfen. Die dort gezüchteten Blumen werden nach Europa als frische Schnittblumen exportiert und bei uns in den Kneipen an einsame Herzen verhökert.


Trotz allem: Kenia war eine der schönsten Reisen, die ich gemacht habe. Die Schönheit von Landschaft und Natur ist mit Worten kaum zu beschreiben, die Erlebnisse waren einmalig. Nur waren wir käfertechnisch gesehen zur falschen Zeit am falschen Ort. Das bedeutet: das nächste Reiseziel heißt Afrika!

Korruption [aus Wikipedia]

Korruption kann in Kenia in allen Regierungsperioden der drei bisherigen Präsidenten Kenyatta, Moi und Kibaki beobachtet werden. Im Korruptions-Index (Corruption Perceptions Index; CPI) von Transparency International rangiert Kenia unter 159 Ländern an 144. Stelle. Eine Schätzung besagt, dass der durchschnittliche kenianische Stadtbewohner 16 Mal pro Monat besticht, z.B. Polizisten an Straßensperren. Sicherlich sind die meisten dieser Bestechungsgelder klein und nicht immer im politischen Raum zu suchen. In die großen Korruptionsfälle, wie Bestechungen, Verschwendungen oder das Abzweigen von Geldern bei völlig überteuerten Geschäften, waren nicht nur Geschäftsleute, sondern immer auch Regierungsstellen verwickelt.

 

Tropische Krankheiten:

Von einigen „Afrika-Experten“ wurde uns erzählt, auf Schutzimpfungen könne man verzichten. Für unseren Urlaub in Kenia haben wir uns trotzdem die ganze Palette der Schutzimpfungen verabreichen lassen.

Mit diesem Thema sollte man sich mehrere Monate vor Reiseantritt beschäftigen und sich vorher vom Arzt und dem Tropeninstitut beraten lassen!

Gelbfieber: Der Nachweis einer Gelbfieberimpfung ist erforderlich. Die Übertragung der Gelbfieberviren erfolgt durch Stechmücken.

Malaria: Grundsätzlich besteht in Kenia ein erhöhtes Malariarisiko unterhalb von 2.500m. Ebenfalls besteht ein Risiko im Grenzbereich um 2.500m Höhe (in den Provinzen Nyanza und Rift Valley, so wie die Provinzen Central, Eastern und Western). In diesem Fall spricht man von einer sog. "Highland malaria". Aufgrund der Regenfälle während der Regenzeit stehen für viele Insekten, wie z.B. Mücken, vermehrt Brutplätze zur Verfügung. Dadurch nimmt die Anzahl der Überträgermücken zu. Aus diesem Grund treten Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden, wie z.B. Malaria während Regenperioden häufiger auf. Insbesondere in den Nationalparks besteht ein erhöhtes Malariarisiko!

Wegen der extremen Trockenheit während unseres Aufenthalts in Kenia hatten wir keinen einzigen Mückenstich zu verzeichnen, wir haben nicht mal eine Mücke gesehen.

Durchfall: Je niedriger der hygienische Standard, umso größer das Infektionsrisiko. Die Übertragung erfolgt durch unsauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel wie ungewaschene Früchte usw.

Durchfall-Erkrankungen blieben uns erspart, denn auf der Farm war es praktisch „Europäisch sauber“. Die Bilder und Beschreibungen der Farm (jetzt von Petra, früher von Peter) entsprechen der Realität.
Schauen Sie rein:

www.farmurlaub-afrika.de