
L3 Mecynorhina oberthueri: die Larve
hat den Fototermin gelassen hinter sich gebracht, beim Zurücksetzen
in die Box aber versucht, meinen Finger zu erwischen.
Die Mundwerkzeuge sind kräftig,
sie laufen jedoch nicht so spitz zu wie bei räuberischen Larven anderer
Arten, z.B. Chelorrhina
oder Goliathus. Erwachsene Larven werden vor der Verpuppung prall
und gelblich, hier in Bayern würde man an eine Weißwurst
denken.
Im Vergleich zu einer L2 ist die L3 beträchtlich größer
und es ist nachvollziehbar, dass das L3-Larvenstadium deshalb
wesentlich länger dauert. Oben auf der Kopfkapsel ist die "Sollbruchstelle"
zu erkennen, an dieser Naht platzt die Kopfkapsel auf, wenn sich
die Larve häutet.
Mecynorhina
oberthueri kirchneri
(forma unicolor)
Mecynorhina
oberthueri kirchneri: Begattung kopfüber und in luftiger
Höhe. Reife Leistung...
Der Lieblingsrastplatz der Käfer ist möglichst weit
oben: entweder auf einem Ast oder am Lüftungsgitter.
Mecynorhina
oberthueri: diese Puppe hat es nicht geschafft. Negative Erfahrungen
dieser Art muss man beim Züchten
in Kauf nehmen.
Ein
erhebender Moment für jeden Züchter: Ein gut entwickelter
Käfer ist geschlüpft, mit makellos samtiger Oberfläche.
Solche nicht alltäglichen Augenblicke entschädigen
für die investierte Mühe in der Zucht. Meist jedoch
ist die Freude nur von kurzer Dauer: die erste Aktion,
die ein frisch geschlüpfter Käfer tätigt, ist
die Entleerung seines Darminhalts. Und das an der Stelle, wo
er gerade sitzt. In diesem Fall auf der Hand des stolzen Züchters.
Um die übel riechende Substanz zu entfernen, ist ein mehrmaliges
Waschen der Hände nötig.
Mecynorrhina
ugandensis: eine seltene Variante mit dunkelblauem
Halsschild. Eine
gezielte Zucht dieser Farbvariante war nicht erfolgreich,
die Nachkommen waren wieder
unterschiedlich gefärbt.
Dieses
Weibchen ist im Terrarium verendet und wurde angenagt
– zumindest die weichen Innenteile wurden von Larven
herausgefressen.
Die "klassische"
Variante von Mecynornina ugandensis in rotbraun. Die
Zeichnung bzw. Streifen auf dem Brustschild sind bei den Weibchen
fast immer stärker ausgeprägt.
Eine
extrem seltene Fehlentwicklung: ein partieller Zwitter oder
Gynandomorph (Mecynorrhina
torquata immacullicollis). Links
männlich,
rechts weiblich. Die eine Hälfte des Kopfes ist weiß mit einem
deformierten Horn, die andere grün und ohne Horn. Jedoch ist der Käfer überwiegend
ein Weibchen, also kein komplett geteilter Halbseiten-Zwitter.
Der sichtbare Unterschied beschränkt
sich auf den Kopfbereich. Die Entwicklung der Larve verlief nicht nach Plan,
sie dauerte mindestens doppelt so lange als üblich.

Im Zuge der Neuordnung
der Gattung Mecynorrhina wurde definiert, dass M.
ugandensis keine eigenständige
Art ist, sondern als Unterart von M. torquata betrachtet
wird. Das wurde von vielen Züchtern
schon länger vermutet, nun wurde von Eric Holm in seiner
Revision ihr Staus als Unterart sozusagen legalisiert. Neben
der Eingliederung der Megalorrrhina,
Amaurodes und Chelorrhina zu
den Mecynorrhina umfasst die Gattung
Mecynorrhina / Untergattung Mecynorrhina folgende
Arten:
Mecynorrhina (Mecynorrhina)
- oberthueri oberthueri (Fairmaire 1903)
- oberthueri kirchneri (Drumont 1998)
- polyphemus polyphemus (Fabricius 1781)
-
polyphemus confluens (Kraatz 1890)
- torquata torquata (Drury1782)
- torquata immaculicollis (Kraatz 1890)
- torquata poggei (Kraatz 1890)
- torquata ugandensis (Kraatz 1907)
Es ist nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen Chelorrhina polyphemus zum Subgenus Mecynorrhina, die beiden anderen (ehemaligen) Chelorrhina Arten savagei und kraatzi aber zum Subgenus Amaurodes gestellt wurden. Ihre neue Schreibweise lautet Mecynorrhina (Amaurodes) savagei bzw. Mecynorrhina (Amaurodes) kraatzi.
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Mecynorrhina oberthueri kirchneri tritt
in zwei Formen auf, die sich deutlich unterscheiden:
die forma decorata mit schwarzem netzartigem Muster
und die meist etwas kleinere forma unicolor (einfarbig)
ohne Muster. Die Zeichnung auf dem Halsschild mit den
ausgeprägten Bändern erinnert an Goliathus.
Die Verbreitung dieser Art beschränkt sich auf
die Usambara Mountains in Tansania. Einzelne Funde
wurden aus Süd-Kenia gemeldet. Um 1990 wurden die Käfer dieser Art als Rarität gehandelt und waren annähernd unbezahlbar. In ihrer Heimat nennt man sie "die Perle Tanzanias". |
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Mecynorrhina torquata: Die etwas kleinere Nominatform
torquata torquata kommt isoliert in Westafrika (Elfenbeinküste
und Ghana) vor, während torquata immaculicollis
(Foto) weit über Zentralafrika verbreitet ist. M. torquata poggei ist eine regionale Unterart im südlichen Zaire, die Männchen erreichen eine Größe von ca. 85 mm. Die drei regionalen Unterarten unterscheiden sich optisch kaum, die weißen Linien auf grüner Grundfarbe der Flügeldecken und des Halsschilds sind mehr oder weniger intensiv ausgeprägt. In der Zucht befindet sich hauptsächlich die Unterart immaculicollis. |
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M. torquata ugandensis ist sehr variabel in Zeichnung
und Färbung, sie reicht von rotbraun über
lila bis grünlich, mit oder ohne Streifenmuster,
mit schwarzem, rotem oder dunkelblauem Brustschild.
Es ist beinahe unmöglich, zwei identisch gefärbte
Tiere zu finden. Ihr Verbreitungsgebiet im östlichen Zaire und dem benachbarten Uganda überschneidet sich zum Teil mit M. torquata immaculicollis. Beide Unterarten lassen sich kreuzen. Auch M. ugandensis galt noch bis vor wenigen Jahren als selten und war sehr teuer. Heute ist diese schöne Art in der Zucht relativ verbreitet, jedoch häufig als Kreuzung und nicht als reinrassige Art. |
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Dieses Weibchen ist ein Nachkomme von einfarbig rotbraunen Elterntieren mit wenig ausgeprägter Zeichnung. Die Variabilität in Zeichnung und Farbe zeigen eindeutig, dass die in der Vergangenheit vorgenommene umfangreiche Auflistung von Unterarten unsinnig ist. Sonst müsste man fast jeden Käfer mit einem neuen Namen benennen. |
Käfer
Die Käfer sind sehr aktiv und kletterfreudig, sie halten
sich überwiegend
im oberen Bereich des Terrariums auf. Kletteräste dienen
ihnen auch als Ruhezone. Wenn die Käfer erschrecken, dann lassen sie sich
fallen und klatschen auf die Substratoberfläche, wo sie für ein paar
Sekunden starr liegen bleiben. Wenn sie dann keine Möglichkeit haben, sich
an Rindenstücken oder Wurzeln wieder aufzurichten, so gehen sie qualvoll
ein, sie strampeln sich zu Tode. Kommen sie sich auf dem engen Raum ihrer
Kletteräste zu nahe, so wird das Revier verteidigt und heftig umkämpft,
was zu Verletzungen führen kann. Nicht selten reißen sie sich ihre
Krallen mitsamt den ersten Beinsegmenten ab. Auch die Weibchen werden verjagt,
wenn sie "im Weg sind" oder zufällig an der Banane fressen, die
ein Männchen für sich haben will. Es muss also genügend Rückzugsraum
geboten werden, d.h. das Terrarium muss groß genug sein! Die Einrichtung
von mehreren Futterstellen hilft, den Hausfrieden zu bewahren. Grundsätzlich
sind alle Rosenkäfer harmlos, Mecynorrhina jedoch sind sehr wehrhaft:
wenn die Käfer etwas dagegen haben, in der Hand gehalten zu werden,
so schaffen sie es spielend, sich zu befreien: mit ihren spitzen Dornen und der
erstaunlichen Kraft ihrer Vorderbeine graben sie sich einfach ihren Weg frei.
Das ist sehr schmerzhaft und man lässt schnell locker!
Larven
Mecynorrhina Larven sind relativ friedlich, ihr Nahrungsverbrauch ist enorm hoch, die Kot-Ansammlung ist entsprechend groß. Das Substrat sollte mindestens alle 4 Wochen gesäubert und mit Holz "aufgefrischt" werden. Manche Züchter halten ihre Larven zusammen – was wohl machbar ist, vorausgesetzt der Zuchtbehälter ist groß genug und das Substrat hat gute Qualität, dass die Larven nicht "auf dumme Gedanken" kommen. Wir haben in unserer Zucht erlebt, dass von 12 gemeinsam gehaltenen L1-Larven nur 2 übrig blieben – und das waren die beiden, die sich als erste zur L2 gehäutet haben. Ein solch extremer Kannibalismus ist aber selten der Fall, und ab dem L3 Stadium passiert in der Regel nichts mehr. Einzelhaltung ist wesentlich arbeitsintensiver, aber sicherer und bringt meist größere Käfer hervor (ungestörte Entwicklung und weniger Futterkonkurrenz).
Die Zusatzfütterung mit Larven kleinerer Arten wird
meist nicht angenommen, zumindest nicht mehr im L3-Stadium.
Oft findet man beim Säubern des Substrats den Kokon
von der als Lebendfutter zugegebenen Larve. Mischt man
aber etwas Fischfutter oder (eine bis drei) Pillen Katzenfutter
("Brekkies") etwa alle
vier Wochen ins Substrat, so wirkt sich das später auf
die Größe und Stabilität der Käfer aus.
Das künstlich zugeführte Protein muss gering dosiert
werden, denn es ernähren sich nicht nur die Larven davon,
sondern auch Milben und andere unerwünschte Parasiten.
Manche Züchter berichten von einem Wachstums-Schock
bei zu exzessiver Proteinzugabe, was die Larven meist mit ihrem
Ableben quittierten. Fruchtstücke werden meist nicht angerührt
und vergammeln im Substrat oder dienen Milben und Fadenwürmern
als Festmahl. Schlechte Erfahrungen mit zu schnell wachsenden
Larven habe ich auch gemacht: in Rekordzeit verpuppten sich
sehr groß gewachsene Larven von M.
oberthueri – nach ein paar
Wochen waren alle tot im Kokon, als schwarze, übel
riechende Puppen. Ich bin mir ziemlich sicher, Auslöser
der Misere
war eine Überdosis
Zusatzprotein (Katzenfutter).
Oft werden die Kokons mitten im Substrat gebaut, können aber auch am Boden der Zuchtbox "angeklebt" werden. Bis zum Schlüpfen des Käfers muss der Kokon eingegraben im Substrat gelagert werden, das Substrat muss abtrocknen. Am besten man lässt den Deckel der Zuchtbox für geraume Zeit offen und mischt die obere, trockene Substratschicht vorsichtig mit den unteren feuchteren Schichten. Das den Kokon umgebende Substrat muss relativ trocken sein. Erst neulich ist eine ganze Serie Puppen im Kokon eingegangen, weil vermutlich das Substrat eine zu hohe Restfeuchte hatte. Das ist ein extrem frustrierendes Erlebnis, wenn nach einem Jahr bester Larvenfütterung nur schwarz vergammelte Reste in den Kokons übrig bleiben. An die Behälterwand angebaute Kokons dürfen auf keinen Fall abgenommen werden, sonst ist die geschlossene Schutzhülle des Kokons zerstört. Ein solcher Eingriff hat meist zur Folge, dass Milben und andere Parasiten in den Kokon eindringen können und die Puppe so stark schädigen, dass sie entweder verendet oder der Käfer missgebildet schlüpft.
Entwicklungsdauer
Die Metamorphose im Kokon dauert etwa 2,5 Monate. Die gesamte Generationsdauer beträgt 12-16 Monate, manchmal etwas länger. Die Dauer ist abhängig von den Entwicklungsbedingungen, die den Larven geboten werden, also vom Substrat und der Temperatur. Je kühler (20 Grad oder weniger) die Larven gehalten werden, umso langsamer verläuft ihre Entwicklung. Unter Zuchtbedingungen kann man den Klimawechsel ihres afrikanischen Lebensraums nicht nachstellen. Deshalb sind Angaben über Entwicklungsdauer relativ. Die Käfer leben im Durchschnitt 3-5 Monate.



