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Diese Fehlentwicklung könnte als "Puppenlarve" bezeichnet werden: Alle Teile des Käfers sind deutlich ausgebildet, bis auf den Kopf – es ist noch der Kopf der Larve! Natürlich ist daraus kein Käfer entstanden. Das Bild zeigt, auch wenn man eine Larve bis zum Kokonbau durchgebracht hat, dass man noch lange nicht gewonnen hat.

briefmarke goliathus Es ist wenig bekannt und wird beim Lesen leicht übersehen, dass zwar die Gattung Goliathus mit "th", der Artname goliatus aber ohne "h" geschrieben wird. Auch die Postler Madagaskars waren anscheinend über die offizielle Schreibweise nicht informiert. Warum der Name so geschrieben wird, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Vermutlich ein Schreibfehler von DRURY oder LINNE 1770, er wurde so beibehalten. Der Käfer auf der Marke sieht mehr nach einem G. regius aus.

Goliathus goliatus: Die Käfer von Wildfängen sind extrem kräftig – wenn der Käfer erschrickt, dann zuckt er ruckartig zusammen und erzeugt dabei ein zischendes Geräusch. Er lässt auch nicht so schnell wieder locker und mit seinen spitzen Krallen kann er dabei sogar die Haut der Hand perforieren.


Goliathus orientalis:
Die Ausfallquote war bei dieser Art bisher am niedrigsten. Die silbrig-weiße Farbe frisch geschlüpfter Käfer ist faszinierend.


Goliathus cacicus: Der Fäger aus der Elfenbeinküste ist wegen den dort herrschenden Unruhen 2003 abgetaucht – der Kontakt ist seit dem abgebrochen. Vielleicht wollte er auch für den Restbetrag, den er mir noch schuldete, keine Leistung mehr erbringen. Diese krumme Tour ist oft bei afrikanischen Händlern zu beobachten.

Goliathus goliatus, erste Nachzucht von Wildfängen: Die Elterntiere waren einfarbig dunkelbraun, diese erste Generation hat eine gut sichtbare weiße Zeichnung. Sie waren längst nicht so vital und wesentlich kleiner als die Wildfang-Eltern.

Große Holzstücke, mit denen ein abgestorbener Baumstumpf imitiert wird, sind im Terrarium entscheidend wichtig zur Eiablage der Weibchen. Ohne solche Konstruktionen legen die Weibchen fast keine Eier. Ein Indiz dafür, dass Goliathus Larven in der Natur in oder unter Baumstümpfen leben.

goliathus verbreitung

Früher bei den Scarabaeus eingereiht, 1801 von LAMARCK als Goliathus benannt. Grundsätzlich gibt es 5 Arten, die gerne in mehrere Unterarten und Variationen/Formen eingeteilt wurden. Die Benenneung von Variationen bei den Goliathus ist ähnlich unsinnig wie bei Mecynorrhina torquata ugandensis: in mehreren verschiedenen Zuchtreihen hat jede Folgegeneration neue Farbvarianten hervorgebracht. Beispielsweise habe ich von einem einfarbig dunkelbraunen Goliathus goliathus Elternpaar mehrere Nachkommen mit unterschiedlich ausgeprägter Zeichnung auf den Flügeldecken erhalten, ähnlich den G. g. conspersus. Die Variationen sind bei jedem Exemplar anders und auch nicht auf eine bestimmte geografische Region beschränkt. Somit ist eine Einteilung nach Merkmalen oder geographischen Rassen wenig sinnvoll.

Bei Goliathus goliatus wurden in viele Unterarten beschrieben, z.B. G. goliatus conflues, G. goliatus conspersus oder
G. albatus
. Dazu kamen eine Reihe von Variationen: apicalis (Kraatz), undulus (Sjöstedt), hieroglyphicus (Sjöstedt), quadrimaculus (Kraatz), intermedius (Kraatz) und viele mehr. Die Unterscheidungsmerkmale beschränken sich nur auf die Zeichnung und ein paar Punkte auf den Flügeldecken. Jedoch muss man den Entomologen "von damals" zugestehen, dass es um 1810-1890, als die Arten entdeckt und beschrieben wurden, nur sehr wenige Exemplare zur Bestimmung vorlagen. Die Käfer galten alle bis vor wenigen Jahren als extrem selten. Um 1989 kostete ein Paar getrocknete Goliathus regius etwa 800 Mark, lebende Käfer waren nicht erhältlich.

Aus HOLM & MARAIS (1992): "... Die Gattung Goliathus wurde mit einer Unzahl an Unterarten und Formen versehen, speziell von Kraatz 1888 und Endrödy 1951. Diese Namen sollten alle als ungültig betrachtet werden..."


goliathus L3

Eine junge L3 von Goliathus goliatus: in diesem Entwicklungsstadium sind die Larven noch sehr agil und aggressiv. Das ist auch der Zeitpunkt, in dem die Larven aktiv ihre Beute jagen. Ältere L3-Larven sind relativ fett und träge, lebendes Zusatzfutter wird nicht mehr angenommen oder sie erwischen die kleineren und flinkeren Larven nicht mehr. Oft haben die zugegebenen Pachnoda-Larven die gemeinsame Zeit mit den Goliathus unbeschadet im Substrat überstanden und haben sich verpuppt. Wenn man die jungen L3 am Hinterleib berührt, so klappen sie ruckartig zusammen und versuchen, den Finger mit ihren Zangen zu erwischen. Bei alten, fetten L3 hat man eher den Eindruck, dass sie eine solche Streicheleinheit genießen, denn sie strecken ihren Körper "genüsslich" in voller Länge aus.

 

Die Larven der Goliathus-Arten werden in letzter Zeit wesentlich billiger angeboten als vor etwa acht Jahren: "damals" kostete eine Larve von G. orientalis ca. 50 Dollar, während heute etwa 10 Euro verlangt werden. Das ist einerseits erfreulich, andererseits besorgen sich viele Anfänger diese zugegeben imposanten und reizvollen Tiere – und erleben zwangsläufig ihr erstes Debakel. Dieser seltenen, teuren und in Zucht und Haltung extrem schwierigen Gattung sind viele Seiten im Internet gewidmet. Beispielsweise hat Karl Meier / C. Campell auf seiner Seite "Naturalworlds" (öffnet neues Fenster) viel Liebe in seinen ausführlichen Goliathus-Zuchtbericht gesteckt.


Käfer
Nicht nur die Zucht der Larven, auch die Haltung der Käfer birgt Probleme, es ist nicht einfach, sie zur Eiablage zu bewegen. Ein Baumstumpf oder ein großes Holzstück im ca. 15 cm tiefen Substrat eingegraben scheint Bedingung zur Eiablage zu sein.

Die Weibchen legen ihre Eier in die unterste Substratschicht ab, wobei die Eier nicht frei im Substrat liegen, sondern der umgebende Boden wird duch Bewegungen der Hinterbeine stark verdichtet. Zusätzlich wird jedes gelegte Ei mit einem klebrigen Sekret versehen, so dass sich ein kleiner Substratklumpen bildet, der das Ei umgibt und schützt. Beim Durchsuchen des Terrariums neulich war ich etwas frustriert über die magere Ausbeute an Larven. Etwa sechs Wochen später - die Käfer waren schon längst gestorben - fand ich beim Durchgraben des Terrariums noch 26 Larven im Substrat. Sie sind aus jenen Eiern geschlüpft, die bei der ersten Suche übersehen wurden, weil sie in ihrem Erdklumpen bestens getarnt waren.

Die Käfer aus Wildfängen sind sehr stark und vital. Es kommt auch vor, dass Weibchen einen Kampf mit den Männchen nicht scheuen – und oft als Sieger hervorgehen. Wenn ein Männchen dann immer noch nicht aufgibt, dann gräbt sich das Weibchen kurzerhand im Substrat ein. Solche Kämpfe sind verbunden mit lautem Poltern und kurzen Flugeinlagen, jegliche Pflanze im Terrarium ist nach kürzester Zeit ramponiert... Anders verhält sich die Nachzucht: die Käfer sind längst nicht so vital wie die Wildfänge und erreichen meist nur die halbe Körpergröße. Das zeigt, dass die Larven auch bei bester Fütterung in der Zucht nicht das Nahrungsangebot erhalten, das sie benötigen. Deshalb ist es wichtig, den Larven abwechselnd alles vorzusetzen, was das Spektrum der Futterzugaben bietet: von Salat über Fruchtstücke bis Hunde- oder Katzentrockenfutter. Was nicht schmeckt wird nicht gefressen. Diese Zugaben sollten sparsam eingesetzt werden, denn sonst züchtet man in erster Linie Milben.



Zucht
Meist kommt in der langen Zeit des Larvenstadiums zu Ausfällen, deshalb sollte man eine Zucht mit mindestens 12 Larven beginnen. Was die Zucht einer Folgegeneration zusätzlich erschwert ist die stark schwankende Dauer der Larven-Entwicklung und folglich das zeitlich versetzte Erscheinen der Käfer. Meist schlüpfen zuerst die Weibchen, teilweise mit Abständen von 1-2 Monaten. Und viel später danach kommt ein Männchen – die Weibchen haben inzwischen schon wieder das Zeitliche gesegnet... und das alles von der selben Serie, in der die Larven etwa gleich alt waren.

Als große L2 und junge L3 sind die Goliathus Larven selten von einer proteinhaltigen Zwischenmahlzeit in Form einer anderen Larve abgeneigt. Allerdings habe ich festgestellt, dass in frisch gewechseltem Substrat die zugegebenen Pachonda Larven meist nicht angegriffen werden und die Pachonda es schafften, sich zu verpuppen. Nur in "verbrauchtem" Substrat ging es den Pachonda an den Kragen. Sie wurden in der Mitte durchgebissen, manchmal fand ich noch eine Hälfte beim Umgraben des Substrats. Goliathus Larven bauen oft Gänge ins Substrat, man vermutet, dies seien Fallen, um Insekten von der Oberfläche zu fangen und zu fressen. Dies scheint zutreffend zu sein, denn auf die Oberfläche gelegtes Futter (Hunde- oder Katzentrockenfutter) ist nach ein paar Tagen in den Gängen verschwunden. Das Substrat in der Zuchtbox sieht manchmal aus, als züchte man Mäuse und keine Goliathus Larven. Meist sind die angelegten Gänge am stärksten ausgeprägt, wenn die Larven ihren Kokon gebaut haben. Vielleicht sollen sie zur Belüftung dienen.

Wichtig für L1 Larven und eingeschränkt auch für die folgenden Larvenstadien ist leicht feuchtes und fein gemahlenes, vorwiegend holzhaltiges Substrat aus Buchen- oder besser noch aus Eichenholz. Man sagt, dass die Larven in der Natur ähnlich wie unser einheimischer Hirschkäfer nicht direkt im Holz leben, sondern in der Erde direkt unter Baumwurzeln oder Baumstümpfen morscher Bäume.

Die Haltung von Goliathus Larven ist arbeitsintensiv, zumindest ab dem L3-Stadium. Die großen Larven fressen relativ viel Holz, was eine starke Kotproduktion mit sich bringt. Enfernt man die Kotpillen nicht regelmäßig, dann werden sie staubfein genagt. Das vermischt sich zusammen mit dem feuchten Substrat im unteren Bereich der Zuchtbox zu einer schweren, erdigen Substanz, was auch der bevorzugte Lebensraum von Asseln, Milben und Fadenwürmern ist. Ist dieser Zustand des Zerfalls eingetreten, so empfiehlt sich ein kompletter Wechsel des Substrats.



Goliathus goliatus: Sie gehören zu den wenigen Larven, die nicht nur auf dem Rücken liegend durchs Substrat kriechen, sondern auf ihren Beinen "wandern" können. Jedes Bein endet in einer spitzen Klaue, mit der sich Larven an Unebenheiten festklammern und somit auch senkrechte Wände des Zuchtbehälters überwinden können. Bei heller Beleuchtung wie beim Fotografieren zucken die Larven manchmal schreckhaft zusammen, vermutlich können sie Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen.

Die Larven wandern vor der Verpuppung auf der Substratoberfläche ziellos umher, die Ursache ist unbekannt. Ich vermute, dass diese Wanderung dazu nötig ist, um das dünnflüssige Kot-Sekret zu bilden, das für den Kokonbau gebraucht wird. Hält man eine Goliathus Larve für ein paar Minuten in der warmen Hand, so wird sie gestresst und sondert dünnflüssigen Kot ab. Während der Wanderphase sollte der Deckel der Zuchtbox fest geschlossen sein, es ist schon passiert, dass Larven ausgebrochen sind. Goliathus Larven sind sehr kräftig und können den Deckel anheben. Sie gehören zu den wenigen Larven, die sich an der senkrechten Wand der Zuchtbox hochschieben, sich in Luftlöchern oder Unebenheiten festhalten und fast senkrecht auf ihrem Hinterleib "stehen" können.

Die Entwicklung erfolgt relativ zügig, nach ca. 6 Wochen erfolgt die erste Häutung zur L2. Anschließend geht die Entwicklung viel langsamer voran, das L3-Stadium kann bis zu zwei Jahre dauern. Danach muss man noch mal etwa ein halbes Jahr Geduld aufbringen, bis die Käfer schlüpfen. Oft genug kommt man in Versuchung, den Kokon zu öffnen. Man sollte das sein lassen, denn die manuell und meist zu früh aus Kokons geholten Käfer sind noch um einiges lascher als die freiwillig geschlüpften Käfer. Ein ins Substrat eingegrabenes größeres Holzstück scheint zur Verpuppung nützlich zu sein, am häufigsten fand ich die Kokons unter dem Holzstück.