Nicht nur die Käfer sind hübsch, auch die Larven (L2 Ch. savagei) sind schön gezeichnet – falls die Bezeichnung "schön" mit dem Aussehen von Larven überhaupt
vereinbar ist...
Chelorrhina savagei:
hier schlüpft ein stattliches Männchen. Unter dem Käfer sind noch Reste der Larvenhaut und der Puppenhülle
zu erkennen. Die Farbe des Punkte- und Streifenmusters ist noch sehr hell.
Chelorrhina savagei bei der
Kopulation: wie bei allen Rosenkäfern wird das Weibchen bevorzugt beim
Fressen überfallen.
Die Männchen haken sich am der Naht des Brustschilds beim Weibchen ein
und lassen ihr so keine Fluchtmöglichkeit.
Wildfänge aus Kamerun: die Käfer sind riesig, sie haben das liebevoll eingerichtete
Terrarium in kürzester Zeit verwüstet. Pflanzen und Kletteräste wurden ausgegraben,
die Scheiben des Terrariums sahen aus, als wären sie seit Monaten nicht mehr
geputzt worden. Diplomatisch gesagt: die Käfer sind sehr aktiv.
Chelorrhina polyphemus:
Die Männchen (Wildfänge aus Kamerum) hatten ein sehr bescheidenes Kopfhorn, das bei der Nachzuchtgeneration wesentlich besser ausgeprägt war. Das heißt, dass Wildfänge nicht automatisch größer sein müssen,
obwohl das in der Regel der Fall ist. Auch in der Natur haben die Larven nicht
immer optimale Entwicklungsbedingungen.
Dieses Männchen aus der Zucht ist ein gutes Stück größer als die Wildfänge.
Die Weibchen haben einen dezenten Glanz auf
den Flügeldecken, die Männchen
sind samtig-matt.
Chelorrhina
polyphemus – nicht nur als Käfer, auch als Motiv beliebt und von
einigen Zentralafrikanischen Ländern als Briefmarke herausgegeben.
Chelorrhina kraatzi:
Mit 3,5 bis 6,5 cm ist die Größe der Wildfänge sehr unterschiedlich. Die Nachzucht
wird zeigen, ob die Größe der kleinsten Wildfang-Männchen
erzielt werden kann.
Auch die Unterseite der Käfer ist interessant gezeichnet: die samtigen hellen "Panzerplatten" sind durch schwarze Nähte
abgesetzt.
Die Larvenhaut konnte bei der letzten Häutung nicht vollständig abgestoßen werden, der Kopf der Larve ist fest mit der Puppe verbunden. In solchen Fällen kann man nur hilflos zusehen, wie die Puppe durch heftige Bewegungen sich zu befreien versucht, einen manuellen Eingriff hätte die Puppe nicht überlebt.
Das hat sie letztendlich ohne einen Eingriff auch nicht...
Die Gattung
Chelorrhina
(BURMEISTER 1842) besitzt drei Arten:
-
savagei
(HARRIS 1844)
-
kraatz
i (MOSER 1905)
-
poyphemus
(FABRICIUS 1781)
mit zwei Unterarten
--
ssp. polyphemus
(FABRICIUS 1781)
--
ssp. confluens
(KRAATZ 1890)
In seiner 1993 vorgenommenen Revision (On the genera of African Cetoniinae II: Eudicella and the related genera of horned males) beschreibt Eric Holm den Gattungsnamen Chelorrhina als ungültig; die Chelorrhina wurden in die Gattung Mecynorrhina eingegliedert. Die Käfer heißen also nun Mecynorrhina (Chelorrhina) savagei, Mecynorhina (Chelorrhina) kraatzi und Mecynorrhina (Chelorrhina) polyphemus . Ihr ehemaliger Name Chelorrhina (in Klammern) bleibt als Subgenus erhalten.
Wie viele große Rosenkäfer sind auch Chelorrhina Bewohner des dichten tropisch-feuchten Regenwalds in Äquatornähe. Ihre Verbreitung reicht von Zentral- bis West-Afrika. Die Zeichnung auf den Flügeldecken bei allen drei Arten besteht meistens aus Punktereihen, die manchmal sehr eng stehen oder sich überlappen und dann optisch zu einer Binde zusammenfließen ("confluens"). Das lang gezogene, an der Spitze gegabelte Horn ist typisch für die Männchen der Chelorrhina.
Substrat
Die Weibchen legen ihre Eier ganz unten im Terrarium, dort wo es am feuchtesten ist. Die Eier sind meist mit einer Hülle aus verdichteter Erde umgeben, was zu ihrem Schutz und gegen Austrocknung dienen soll.
Die Aufzucht der Larven gelingt am besten in feuchtem Substrat aus Eiche und/oder Buche. Hinsichtlich des natürlichen Lebensraums der Käfer, die in den feuchten Waldregionen leben, ist nachvollziehbar, dass die Larven ein leicht feuchtes und holzhaltiges Substrat bevorzugen.
Chelorrhina polyphemus
können in etwas trockenerem Substrat gehalten werden.
Larven
Die Larven sind räuberisch und vital, die L1 und L2 sollten einzeln gehalten
werden, will man die Aufzucht ohne Ausfälle schaffen. Als L3 kann man sie zusammen
halten, aber die Larven brauchen genügend Platz, sonst dezimieren sie sich
auch im L3-Stadium. Eine zusätzliche
Protein-Beigabe ist ab dem L2-Stadium empfehlenswert. Den L2- und L3-Larven kann
ab und zu eine Larve "als Nachtisch" gefüttert werden, z.B. von
Pachnoda, Dicronorhina
oder
Smaragdesthes
. Nach ein paar Tagen ist von dem "lebenden Zusatzprotein” normalerweise nichts
mehr zu finden. Nicht immer wird das zugegebene Lebendmaterial angenommen, dann
kann Protein in Form von Fisch- oder Katzen-Trockenfutter ins Substrat gemischt
werden. Aber maximal einen Teelöffel voll – und das auch nur alle 2-3 Wochen.
Wenn das Zusatzfutter nicht gefressen wird, dann hat das meist katastrophale
Auswirkungen: Das Substrat kann verrotten, verschimmeln und beginnt zu stinken,
die Vermehrung von Milben steigt explosionsartig. Die Larven wachsen mindestens
ebenso gut, wenn man sie in "natürlichem" feuchtem Substrat aus Eiche und/oder
Buche hält, es regelmäßig säubert und erneuert.
Wurden die Larven mangelhaft gefüttert bzw. die Qualität des Substrats war nicht ausreichend, so ist das an der kleinen "Nase" der Männchen zu sehen. Allerdings waren auch bei Wildfang-Importen von Chelorrhina kraatzi aus Kamerun einige kleine Männchen mit einer Zwergnase dabei – offenbar findet auch in der Natur nicht jede Larve optimale Bedingungen.
Kokons
werden meist im oberen Bereich des Substrats und in Verbindung mit der Wand der Zuchtbox angelegt. Kokons im Substrat lassen und keinesfalls von der Behälterwand lösen! Der Deckel der Zuchtbox sollte für ein paar Tage abgenommen werden, damit die Substrat-Feuchtigkeit verdunsten kann und die Gefahr verringert wird, dass die Puppe im Kokon verfault. Das Substrat darf aber nicht völlig austrocknen!
Der Bau ihres Kokons bedeutet für Larven eine körperliche Höchstleistung. Durch die transparente Behälterwand konnte ich einer Chelorrhina kraatzi Larve beim Bau ihres Kokons zusehen: es dauert über 12 Stunden, in denen die Larve durch andauerndes Drehen und Wälzen ihres Körpers die Ei-Form des Kokons ausarbeitet. Durch Schieben mit der Kopfkapsel und Knabbern mit den Zangen werden Unebenheiten ausgeglichen. Wenn die Hülle des Kokons aushärtet, dann stellt die Larve den "Innenausbau" ein. Nach etwa drei Wochen erfolgt die letzte Häutung zu einer schneeweißen Puppe, die langsam abdunkelt und hellbraun wird. Je dunkler die braune Farbe der Puppe, umso näher steht das Schlüpfen des Käfers bevor. Nähert sich die Farbe einem grünlich-schwarz-Ton, dann ist die Puppe tot.
Dieses Männchen von Chelorrhina kraatzi hat
es fast geschafft, aber eben nur fast. So schön die angebauten Kokons an der
transparenten Behälterwand anzusehen sind, so groß ist
auch die Gefahr, dass der Kokon von der Behälterwand getrennt wird. Es ist
nur ein kleiner Spalt, mit dem bloßen Auge kaum zu sehen, aber groß genug,
um Restfeuchtigkeit und Milben eindringen zu lassen. Das Resultat ist eine
streng riechende Puppe...
Mehr darüber lesen Sie bei Ch.kraatzi
– Murphy was here
Entwicklung
Die Entwicklung dauert ein Jahr, die Metamorphose im Kokon verläuft für Käfer dieser Größe relativ schell. Nach etwa nach 6 Wochen häutet sich die Puppe und der Käfer schlüpft. Er bleibt noch etwa 2 Wochen im Kokon, bevor er den Kokon verlässt und an der Oberfläche erscheint. Der Jahreszyklus der Entwicklung ist nachvollziehbar: das Timing ist an die Jahreszeit bzw. den Klimawechsel (Regen- und Trockenzeit) ihres afrikanischen Lebensraums angepasst. Somit schlüpfen die Käfer normalerweise immer in derselben Saison. In der Zucht verläuft das Timing nicht immer nach Plan. Meist brauchen die Larven etwas länger zur Entwicklung, denn in der gleich bleibenden Wärme der Zuchtbox unterliegen sie keinen klimabedingten Faktoren, Substrat und Umgebung entsprechen nicht ihrem natürlichen Lebensraum.
Chelorrhina polyphemus
Es sind zwei Unterarten und Formen (f. rufino) beschrieben, die sich
optisch aber kaum unterscheiden. Die Nominatform
(ssp. polyphemus) stammt aus Ghana/Elfenbeinküste, die Unterart
ssp. confluens
ist weit verbreitet: vom Westen (Elfenbeinküste) bis zum Osten (Uganda).
Chelorrhina polyphemus
ist der größte der drei Chelorrhina Arten, die Weibchen werden etwa 55 mm, die
Männchen können bis zu 80 mm Körpergröße erreichen. Solche Riesen kommen aber
nur in der Natur vor, als Züchter kann man stolz sein, wenn ein Männchen schlüpft,
das größer als 60 mm ist. Diese Art wird relativ häufig gezüchtet und ist
allgemein beliebt. Die Larven können in etwas trockenerem Substrat gehalten werden
als Chelorrhina savagei und kraatzi.
Chelorrhina savagei
ist von Zentral- bis Westafrika relativ häufig verbreitet. Die Färbung des Punktemusters auf den Flügeldecken frischer Käfer ist hellgelb. Die helle Farbe dunkelt im Laufe des Käferlebens ab bis hin zu schmutzigem orange. Bei den meisten Züchtern verlief die Zucht von
Ch. savagei
nicht zufrieden stellend, d.h. die Anzahl der gelegten Eier war relativ gering und die Ausfallquote der Larven war recht hoch.
Drei Wildfang-Paare aus Kamerun haben in meiner Zucht auch nur 16 Eier gelegt. Das ist relativ wenig, obwohl im Terrarium weitgehend ideale Bedingungen geschaffen wurden: Eingegrabene, große Holzstücke sollten einen verrotteten Baumstumpf imitieren, Grünpflanzen etwas Regenwald-Flair zaubern. Das war alles vergeblich, die Käfer hatten nach ein paar Tagen die liebevolle Einrichtung ruiniert.
Chelorrhina kraatzi
Vorkommen:
Chelorrhina kraatzi
ist eine endemische Art, sie kommt nur in Kamerun in der Umgebung des Mount Cameroon
und im angrenzenden südlichen Nigeria vor. Die Art zählt zu den schönsten
Rosenkäfern,
ist selten und entsprechend ist der Preis. Sie galten für viele Jahre als verschollen,
bis sie vor ein paar Jahren in der Umgebung des Mount Cameroon wieder entdeckt
wurden. Der Name "kraatzi" wurde
vom Namensgeber Moser im Jahre 1905 dem Entomologen Ernst Gustav Kraatz (1831-1909)
als Anerkennung seiner Verdienste um die Entomologie gewidmet.
Chelorrhina kraatzi
ist die kleinste der drei Chelorrhina Arten, das Kopfhorn der Männchen ist schmaler,
graziler und wirkt deshalb länglicher. Die Größe der Männchen ist recht unterschiedlich,
etwa zwischen 45 und 65 mm, die Weibchen erreichen etwa 45 mm. Die Saison, in
der die Käfer in der Natur auftreten, ist November bis Januar. Das bedeutet,
dass ein Import wegen der uns herrschenden Kälte mit sehr großem
Risiko verbunden ist.
Die Käfer sind sehr schreckhaft: wenn man am Terrarium vorbei geht und sie einen Schatten sehen oder eine Erschütterung spüren, dann lassen sie sich vom Ast fallen oder rennen hektisch torkelnd durch das Terrarium und überschlagen sich dabei sogar. Selbst die Kopulation, bei der sich Käfer sonst durch fast nichts stören lassen, endet in einem klassischen "interruptus". Sie verbringen die meiste Zeit weit oben auf ihren Kletterästen, und wenn sie sich zu nahe kommen, so macht sich der Schwächere entweder freiwillig aus dem Staub – oder der Platz wird in geräuschvollem Schiebekampf gegen den Artgenossen verteidigt. Nicht selten verlieren die Käfer dabei Krallen oder gar ein ganzes vorderes Beinsegment (Tarsen). Einem der Männchen wurde sogar ein ganzer Fühler abgerissen, einem anderen ein Zacken der Geweihgabel abgebrochen. Wie bei Ch. savagei verändert sich die Farbe des hellen gelben Musters der Flügeldecken: bei frischen Käfern ist es weißlich-gelb und wird mit zunehmendem Alter des Käfers dunkler bis hin zu orangebraun. Oft bilden sich zusätzlich bräunliche Flecken auf den Flügeldecken – ein Zeichen dafür, dass der Käfer bald stirbt.