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Zurück zur ÜbersichtDas gelbgraue samtige Brustschild ist selten so schön zu sehen, denn meist stecken die Käfer den Kopf samt Brustschild tief in die Banane. Durch Aufnahme von Feuchtigkeit erscheint es dann schwarz.

Hier schlüpft ein Prachtexemplar. Sein Kopfhorn ist größer als das der Wildfang-Eltern. Der Käfer ist nach einer Woche gestorben, die Ursache war wohl meine Ungeduld: nach vier Monaten wurde er aus dem Kokon geholt – seine Innereien waren vermutlich trotz der langen Zeit im Kokon noch nicht fertig entwickelt und er ist vertrocknet.

s "Der letzte Mohikaner": ein Männchen der Unterart nigricans mit roten Punkten. Damit dieser Stamm nicht völlig erlischt muss ich das Männchen mit den gelben ssp. linnei kreuzen. Bis jetzt (Januar 2008) habe ich fünf Larven. Ich bin sehr auf das Resultat gespannt. Werden die Kreuzungen rote, gelbe oder orange Punkte haben?

megalorrhina harrisii

Megalorhina harrisi: die Färbung der Käfer ist unterschiedlich und zufällig: am häufigsten sind Tiere mit grün bedeckten Flügeldecken, seltener und schöner sind die Exemplare mit reduzierter grüner Zeichnung, bei denen die sandbraune Farbe überwiegt. Beim Brustschild varriiert die Färbung von rotbraun bis dunkelgrün.

Auch die Unterseite der Käfer ist interessant: wie bei Chelorrhina sind die einzelnen Panzerplatten farblich abgesetzt.

Dieses Männchen hat ein extrem ausgeprägtes Kopfhorn, es war eher eine Behinderung denn eine Bewaffnung.

import harrisii Die "Ausfallquote" beim Versand von Wildfängen aus Afrika liegt oft höher als 50%. Hauptursache ist die mangelhafte Verpackung. Um das Gewicht des Päckchens zu reduzieren, die (vorausbezahlten) Versandkosten zu senken und damit den Profit zu erhöhen werden die Käfer ohne Futter oder feuchtes Substrat in kleine Plastikdosen gezwängt. Resultat: entweder vertrocknen sie auf der Reise oder werden durch Erschütterungen während des Transports zerfetzt.

import harrisii Geschäfte mit afrikanischen Händlern erfordern viel Geduld, Geld und Nerven: Nach mehrfacher Beschreibung, wie lebende Käfer verschickt werden müssen und mehrmaligem Versand - natürlich immer gegen Vorkasse - hat es der afrikanische Händler dann endlich geschnallt und der Großteil hat die Reise überlebt.

passerinii
Amarodes passerinii: Die Käfer haben rotbraune Hinterbeine mit gelben Endgliedern. Die Käfer haben einen schwarzen Körper und schwarze Flügeldecken, wie ihr Gattungsname treffend beschreibt: amauros, amauro (griech.) = dunkel. Sie machen durch ihre auffallend gelbe Punktierung der Flügeldecken und ihrem hellgrauen Halsschild aber eher einen „fröhlichen“ Eindruck. Etwas dunkler wirkt die Unterart nigricans mit roten Punkten, was schon in der Namensgebung berücksichtigt wurde (niger = schwarz).
Die Käfer sind sehr elegante Flieger und beherrschen den fast lautlosen Schwebeflug an der Decke des Terrariums. Sie werden bei heller Beleuchtung extrem aktiv, was das Fotografieren fast unmöglich macht. Ihr bevorzugter Schlafplatz ist möglichst weit oben im Terrarium – entweder hängen die Käfer am Lüftungsgitter, auf ihrem Kletterast oder unter den Blättern der Terrarienpflanzen.


Die letzte Revision von Eric Holm in der Nomenklatur gliedert die beiden Gattungen Amaurodes und Megalorhina zu den Mecynorrhina ein. Sie bilden nun eine Untergattung der Mecynorrhina. Die Käfernamen lauten also neuerdings so:

Mecynorrhina (Amaurodes) passerinii (Westwood 1844)
Mecynorrhina (Amaurodes) harrisi (Westwood 1847)





Amaurodes und Megalorrhina

beide Gattungen haben vieles gemeinsam: ihre Larven sind meist räuberisch, ihre Entwicklung bis hin zum Bau ihres Kokons verläuft nahezu identisch und die Larven sehen sich zum Verwechseln ähnlich: grauer Körper mit fast schwarzer Kopfkapsel, im Vergleich zu den anderen Rosenkäferlaven besitzen sie eine gute Tarnung im Substrat. Auch die Haltungsbedingungen der Käfer unterscheiden sich nicht. Der deutsche Trivialname für Amaurodes lautet "gepunkteter Rosenkäfer". Diese Bezeichnung zeigt, wie unsinnig zumindest für tropische Insekten deutsche Namensgebungen sind. Wie viele Arten gepunkteter Rosenkäfer mag es wohl geben?

Larven
Am besten wachsen die Larven in feuchtem Humus mit großem Holzanteil (Eiche). Eine ausreichende Substrat-Tiefe (mindestens 10 cm) ist wichtig, denn zur Verpuppung halten sich die Larven nicht mehr im unteren, feuchteren Substrat auf, sondern bewegen sich nur noch in den oberen, trockeneren Schichten, wo dann auch die Kokons angelegt werden. Es ist also nicht die Grundfläche der Zuchtbox und des Substrats entscheidend, sondern die Tiefe.

Die kannibalische Tendenz der Larven ist stark ausgeprägt, beispielsweise haben Megalorrhina in meiner diesjährigen Zucht fast ihre komplette Population ausgelöscht: In einem Behälter wollte ich vorübergehend etwa 20 Stück L1-Larven aufbewahren, um sie ein paar Tage später zu vereinzeln. Die Arbeit war schnell getan – es waren noch drei Larven übrig, und zwar die drei, die sich als erste zur L2 gehäutet hatten. Der Rest ist ungewollt als Protein-Beigabe verwertet worden. Die Beimischung von Zusatz-Protein für Larven ist daher notwendig. Dafür bieten sich Larven von Arten an, die nicht kannibalisch sind und eine große Vermehrungsrate haben, etwa Pachnoda oder Smaragdesthes. Als L3 scheinen die Larven weniger räuberisch zu sein: fast alle zugefütterten Pachnoda Larven hatten zwar Bisswunden, wurden aber nicht mehr gefressen. Wie bei den anderen Gattungen vom Stamm der Goliathini gilt auch bei Amaurodes: die Ausprägung des Kopfhorns der Männchen ist ein Gradmesser der Fütterung der Larven.

Die Körperfarbe der Larven ist nicht weiß oder cremefarben wie bei den anderen Arten, sondern tendiert zu lilagrau. Durch diese Färbung und den am Körper klebenden feinen Schmutzpartikeln sind die Larven bestens getarnt: oft muss man beim Säubern das Substrat mehrere Male umgraben, bis man die Larve entdeckt – auch wenn sie schon direkt vor Augen auf der Oberfläche liegt. Bei Störung erhöhen die Larven den Innendruck ihres Körpers und liegen für kurze Zeit steif im Substrat (Löwenberg, Exotische Käfer).

Dass die meist trägen Larven trotzdem blitzschnell reagieren können, konnte ich im Terrarium beobachten: Im Substrat des Käfer-Terrariums befand sich noch eine L3-Larve, die ich beim Durchsuchen übersehen habe. Eines Tages knickte ein Käfer, der übers Substrat wanderte, immer wieder mit einem Hinterbein im Substrat ein. Nach einer Weile habe ich eingegriffen und wollte den Käfer aus dem Substrat nehmen. Er hing aber fest. Und zwar mit dem Hinterbein in den Zangen der Larve!


Amaurodes passerinii, L3: Die Larven können auf den Beinen gehen und sich an der Behälterwand hochschieben. Ihre Beine enden in spitzen Krallen, genauso wie bei Goliathus Larven. Es wird vermutet, dass die Krallen zum Festhalten der Beute dienen. Im Vergleich zu Larven anderer Gattungen wie etwa Eudicella oder Dicronorhina, die sich nur auf dem Rücken durchs Substrat schieben, haben die Larven von Amaurodes erstaunliche mobile Fähigkeiten.


Kokon AmaurodesDieses Gebilde auf der Oberfläche des Substrats sieht aus wie ein Häufchen feuchter Erde (oder ähnliches). Das ist die frische Masse, die von der Larve ausgeschieden wurde, um daraus einen Kokon zu bauen. Mehr dazu


 

Käfer
Käfer von Amaurodes passerinii und Megalorrhina harrisii haben dunkle Hinterbeine mit gelblich-weißen Endgliedern. Die Hinterbeine werden bei Bedrohung seitlich oder nach oben vom Körper abgespreizt. Laut HOLM & MARAIS leben Amaurodes in den feuchten Wäldern Ost- und Südafrikas. Die Käfer fressen am Saftfluss verletzter Bäume und an überreifen Früchten.




meg. harrisiiMegalorhina harrisii- Wildfänge sind mit einem riesigen, fast überdimensionierten Kopfhorn ausgestattet. Vermutlich war das bei ihrer Namensgebung der Grund (Mega = groß, rhina = Nase). Derartige Ausmaße eines "Geweihs" können in der Zucht nicht erreicht werden, auch wenn die Körpergröße der gezüchteten Käfer fast gleich ist. Bei ausreichender Fütterung der Larven erzielt man zwar ein etwas größeres Kopfhorn, aber der Unterschied zu Wildfängen bleibt groß. Das heißt, einige Ansprüche der Larven an Substrat und Umgebung können in der Zucht nicht ausreichend befriedigt werden, einige Details sind nicht bekannt.

Kokons
Kokons werden meist völlig an der Oberfläche oder ganz knapp unter der Substratoberfläche angelegt, so dass noch ein Teil des Kokons aus dem Substrat ragt. Oft werden die Kokons direkt in einer Ecke der Zuchtbox gebaut und kleben extrem fest an der Behälterwand. Die Larven verweilen monatelang im Kokon im Vorpuppenstadium, bevor sie sich endgültig verpuppen. Die anschließende Puppenruhe kann noch mal einige Monate dauern. Die Kokons müssen trocken lagern und werden meist steinhart. Vermutlich fehlen bei der Zucht die natürlichen klimatischen Signale wie z.B. die Änderung der Luftfeuchtigkeit. Die harte Hülle der Kokons weicht bei erhöhter Feuchtigkeit wieder auf. In der Zucht jedoch sollte man nicht damit experimentieren, denn wenn zu früh oder zu viel Feuchtigkeit beispielsweise durch Ansprühen des umgebenden Substrats zugefügt wird, dann verfaulen die Puppen im Kokon.

Die lange Verweildauer in den Kokons ist eine kritische Phase, oft muss man manuelle Geburtshilfe leisten. Einerseits ist es für die Käfer schwer, die steinharte Kokonhülle aus eigener Kraft zu sprengen, andererseits ist die lange Wartezeit für den Züchter eine echte Geduldsprobe.