Hier krabbelts - Die Website über Käfer und Insekten

 

Skurriles aus dem Käferalltag

Im Käferalltag gibt es genügend Situationen, die zum Schmunzeln oder Kopfschütteln sind. Folgend eine Sammlung von Episoden aus der Gegenwart und von längst vergangenen Zeiten. Manche Geschichten lassen an der geistigen Gesundheit einiger Mitmenschen zweifeln...

 

amaurodes Was kosten 2 kg Chitin?
Neulich, im Oktober 2007: postalisch wurde ich aufgefordert, auf dem Zollamt in Garching anzutreten und mein Päckchen aus Uganda abzuholen. Obwohl meine Telefonnummer groß auf das Pächchen geschrieben war, wurde ich per Postkarte benachrichtigt, mit einigen Tagen Verzögerung. Es war bei dieser Sendung egal, denn es war eine kostenlose Testsendung mit getrockneten Käfern. Die Stimmung im Amt war bedrückend: auf der einen Seite des Tresens eine Warteschlange, verunsichert und genervt, auf der anderen Seite lustlose Beamte, genau wissend, dass sie von allen auf der gegenüberliegenden Seite gehasst werden. Im Befehlston wurde ich aufgerufen, ich musste das Päckchen im Beisein von zwei Zöllnern öffnen. Ich fragte sie, warum, denn das Päckchen war schon mal geöffnet, aber mit Klebeband wieder verklebt. Was ich nicht wusste: nur die Deutsche Post hat das Recht, das Postgeheimis zu brechen und darf Päckchen oder Briefe öffnen. Den Inhalt fanden die Postler wohl suspekt, sie haben das Päckchen an den Zoll weitergeleitet.

Gerne öffnete ich das Päckchen, aus dem es schon in geschlossenem Zustand gestunken hat wie die Pest. Etwas angeekelt wollten die Zöllner den Preis der Ware wissen, ich sollte einen Kontoauszug von der Bezahlung vorlegen. Dass es eine Testsendung ohne Wert ist, haben sie mir nicht abgenommen. Ich musste den Verkehrswert des Inhalts schätzen, 200 Euro schien ihnen glaubhaft. Nun ging es darum, den Inhalt zu verzollen sprich: mir mit allen Mitteln etwas Kohle aus der Tasche ziehen. Fast verzeifelt hackten sie nach Stichworten im alphabetischen Stichwortregister ihres Computers: Insekten sind zollfrei, also suchte man nach chemischen Bestandteilen. Sie stießen auf Eiweiß, leider zollfrei, dann auf Chitin, das erst ab 200 kg verzollt werden muss. Also wieder nichts, mein Päckchen wog ja nur 2 kg, sie haben es noch mal auf die Waage gestellt. Schildkröten war noch eine Option, denn Käfer haben ja auch einen Panzer. Nach einem 2-Minuten-Kurs in Biologie konnte ich sie überzeugen, dass Schilkröten nicht viel mit Insekten zu tun haben. Frustriert gaben sie auf – ich musste zu ihrem Bedauern "nur" 19% Mehrwertsteuer abdrücken. Nach der Zahlung von 38 Euro und diversen Stempeln mit dem Bundesadler bekam ich dann meine 2 kg Chitin ausgehändigt.
dorcus Einfach mal die Schnauze halten...
Wir wollten ein paar tropische Hirschkäfer verkaufen und haben sie bei ebay inseriert. Dorcus und Odontolabis, mit korrekten Fundortangaben aus Indonesien. Kurz darauf kam eine Beschwerde eines engagierten Naturschützers, wir sollen derartiges unterlassen, da diese Hirschkäfer in Nordrhein-Westfalen (!!) in letzter Zeit ziemlich selten geworden wären. Die Krönung war noch, dass die Hirschkäfer-Auktion von ebay nach seiner Beschwerde gesperrt wurde, da es sich angeblich um geschützte Tiere handele...

Nichts gegen die Westfalener, die von Gott berufenen Tierschützer in Bayern sind genauso unterbelichtet: hat doch neulich ein Tierfreund die Libellen-Larven des großen Blaupfeils (Orthetrum cancellatum) in einem Tümpel im Wald mit einem Stock zerdrückt, weil sie die geschützten Kaulquappen angriffen, die sich in diesem Teich zu Millionen tummelten...
skurril Aus der dunklen Zeit: Insektenprozesse
Vom frühen 15. Jahrhundert an findet man zeitgenössische Aufzeichnungen über Insektenprozesse. Im Mittelalter wurde laut vorgeschriebener Strafprozessordnung nicht nur Menschen bei deren Fehlverhalten der Prozess gemacht, sondern auch Tieren. Eine Besonderheit stellen die Insektenprozesse dar. Immer wieder wurden große Landstriche von Insektenplagen heimgesucht. Käfer, Raupen und Larven sowie andere Insekten überfielen Wälder und hinterließen Kahlfraß. Die Prozessverfahren von Seiten der kommunalen Gerichte und der Kirche wurden streng durchgeführt. Das Strafmaß ging von Ausweisung und Bannspruch bis hin zur Todesstrafe. Die Anklage wurde vorgetragen und man stellte den angeklagten Vegetationsfrevlern sogar einen Verteidiger zur Seite.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Schweiz von einer Insektenplage heimgesucht. Die betroffenen Müller und Bauern wandten sich an die Regierung. Diese war mit der Situation überfordert und bat den Bischof Benedikt von Montferrand aus Lausanne um Hilfe. Er ließ den schädigenden Insekten mitteilen, dass sie innerhalb von sechs Tagen den Landstrich zu verlassen hätten. Bei Nichteinhaltung solle sich die Schädlingsschar am sechsten Tage vor dem bischöflichen Gericht in Lausanne einfinden. Da die Insekten nicht im Geringsten daran dachten, kam es in Lausanne zum Prozess. Es wurde Anklage erhoben, die Verteidigung angehört und man befragte die Zeugen. Bei der Urteilsverkündung berief man sich auf die göttliche Gewalt und exkommunizierte die Übeltäter. Im Anschluss wurden alle schadbringenden Insekten, vor allem Käfer und deren Engerlinge endgültig aufgefordert "der Erde, den Bäumen, den Früchten und deren Samen fern zu bleiben."

Ob sich die Schädlinge fortan daran hielten, ist nicht überliefert...
Krabbeltiere auf der Speisekarte
Riesenmehlwürmer an Tagliatelle, Heuschrecken knusprig frittiert oder Wolfsspinnen in Blätterteig – solche Delikatessen rufen bei vielen Deutschen nicht gerade Appetitgefühle hervor. Doch außer in Europa und Nordamerika stehen Insekten in vielen Ländern regelmäßig auf dem Speiseplan. Wo Fisch und Fleisch fehlen, sind sie oft die einzigen Eiweißlieferanten. In Thailand schätzt man beispielsweise gebratene Heuschrecken und Käfer wegen ihres Proteingehalts, geröstete Mehlwürmer mit Salat gibt es dort am Imbiss um die Ecke. In Australien wird einmal im Jahr das Fest der Bogong-Motte gefeiert. Traditionell werden die Motten von den Aborigines in heißen Sand eingegraben und mit glühenden Kohlen bedeckt, bis sie nach ein paar Minuten gar sind. Es gibt sie auch als Kuchen oder Motten-Kugeln. Am Amazonas gelten gebratene Vogelspinnen als Delikatesse. Und die Chinesen essen sogar Skorpione, die sie in speziellen Mästereien in riesigen Mengen produzieren.

Maikäfersuppe
Schon in der Antike wurden Maikäfer (Melolontha melolontha L.) als Aphrodisiakum verspeist. Auch im Mittelalter gehörten die Krabbeltiere auf den Küchenplan. Die bekannteste Art der Zubereitung ist die Maikäfersuppe. Aus dem Jahre 1844 stammt ein Rezept, das als kulinarischer Hochgenuss kreiert wurde.
Man nehme:
20-25 Maikäfer pro Person, Butter, Fleisch- oder Gemüseextrakt, Saure Sahne und Weizenbrot
Man bereite wie folgt zu:
Die Käfer werden kurz in kochendes Wasser gegeben und mit einem Sieb wieder herausgefischt. Die Beine und die Flügeldecken entfernt man (letztere nicht wegwerfen). Man gibt die Käferleiber nun mit etwas Butter in eine Pfanne und brät diese kräftig an. Anschließend werden die Maikäfer mit einem Mörser zerrieben. Die Käfer kommen nun in einen Topf mit kräftiger Fleischbrühe. Nach kurzem Aufkochen wird ein Schuss Saure Sahne hinzu gegeben. Die Suppe wird über eine Scheibe Weißbrot gegeben und möglichst auf einem weißen Teller serviert. Als schmückendes Beiwerk drapiert man die Flügeldecken der Käfer rund um den Tellerrand. Noch ein wichtiger Hinweis: Man sollte keine auf Eiche lebenden Maikäfer verwenden, da diese durch den sehr hohen Gerbsäureanteil der gefressenen Eichenblätter einen leicht adstringierenden Geschmack entwickeln. Der Genuss der Delikatesse wäre hierdurch stark eingeschränkt.
panzer Waffen mit Insektennamen
Die erste Hornisse in Form eines Schützenpanzers wurde 1942 Hitler vorgeführt, zusammen mit der Hummel. Insektennamen bekamen meist die Artillerie-Selbstfahrlafetten: Grille, Hummel, Wespe und Heuschrecke. Die Hornissen sind im Februar 1943 gefertigt worden und bis zum Kriegsende sind 494 Stück gebaut worden.
(Bild: Wespe, eine Feldhaubitze)

Die Analogie in der Benennung von Waffen mit schnellen oder gefährlichen Tieren ist heute noch genauso aktuell: Unser Exportschlager "Leopard"-Panzer, der Spähpanzer "Luchs", das Panzerabwehrsystem "Milan", usw. Na ja, wer würde schon eine Kanone namens Marienkäfer, Schmalbock, oder Aaskäfer fürchten?